Das Rätsel der Venus

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Ratet, was es ist? Das schneeweiß von Leibe
rötlich vom Kopfe, rund, länglicht und steif
das auch im Dunkeln kann treffen die Scheibe
stecket in Löcher den spitzigen Schweif
darin im Gleichen ein Löchlein zu schauen
daraus was liebliches pfleget zu dauen.
Diese Gruft, darin man dies Dinglein muß halten
ist mit den wertesten Haaren umschränkt
und wie die Muschel der Venus gespalten
wenn dann die Röhre dahin wird gelenkt
dadurch die Männer den Lebenssaft gießen
pflegt auch aus dieser was nasses zu fließen.
Männer die kriegen es her aus den Hosen
es zu betasten kein Mädchen sich scheut
gleichwohl so werden mit schämenden Rosen
öfters die Wangen hierüber bestreut
wollen auch selten der Männer Begehren
mit Unterwerfung des Willens gewähren
Sprechen daneben, es will sich nicht schicken
Jene hingegen, die wissen den Griff
dennoch damit in die Schranken zu rücken
Und wie ein Steuer nun wendet ein Schiff
als mit Freundlichkeit in sie zu dringen
dass sie selbst Feuer zu dieser Glut bringen
Wenn nun der Stil von gehöriger Länge
und die Empfindlichkeit innerlich glüht
sieht man in seiner beliebten Enge
wie da der Wollust West ein- und auszieht
wie man so sehnlich begierig nach stößet
recht zu gebrauchen, was man hat entblößet
Cypris, was gilt es, wir haben gewonnen?
weil du so freundlich gelächelt dabei
Komm wir merken, wie du bist gesonnen
dass es die Pfeife gewiss genug sei

aus der Tabacologia, 1649
in: „Anthropophyteia“, daher in Liederliche Lieder (1967)

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Liederzeit: (1649)