Der du mit Wohlgefallen (An den lieben Gott)

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Der du mit Wohlgefallen
Die guten Kinder siehst,
Und auch ihr armes Lallen,
Ihr Stammeln nicht vergißt:
Vernimm mich kleinen Knaben!
Ich möchte gern von dir
Ein recht gut Herz noch haben;
Gib, lieber Gott, es mir!

Ich habs noch nicht; gewisslich!
Ich mache ja so oft
Papa, Mama verdriesslich,
Und weine noch so oft.
Jetzt möcht’ ich auch wol weinen,
Doch nicht aus Ungebühr!
Aus Kummer möcht ich weinen.
Gott! – vergib es mir!

Ich habe da zwei Täubchen,
Die seh ich öfters an;
Das Männchen und das Weibchen
Sind mir so zugetan.
Sie tun mir nichts zuwider,
Sind immer still und fromm,
Und flattern gleich hernieder,
Sobald ich sage: Komm!

Das hab’ ich vor der Türe
Oft recht beschämt gesehn.
Es sind nur arme Tiere
Und machens doch so schön.
Ich bin so vielmal grösser,
Und weiß, was Unrecht ist,
Und mach’ es doch nicht besser! –
O wie man sich vergißt!

Ach nein! ich bin noch lange
Nicht so wie ich sein will!
Befrei mich von dem Hange
Zum bösen Eigenwill!
Gehorsam laß mich werden,
Wie mirs die Täubchen sind. –
Gott, mache mich auf Erden
Zum allerbesten Kind!

Text: Overbeck
in Fritzchens Lieder (1781)

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