Nun will ich aber heben an (Tannhäuser, 1520, Nürnberg)

Balladen und Moritaten | | 2012
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Nun will ich aber heben an
von dem Danhäuser zu singen
und was er hat Wunders gethan
mit seiner Frau Venusinnen

Danhäuser was ein Ritter gut
wann er wollt Wunder schauen
er wollt in Frau Venus Berg
zu andern schönen Frauen

„Herr Danhäuser ihr seind mir lieb
daran sollt ihr gedenken
ihr habt mir einen Eid geschworn
ihr wöllt von mir nit wenken“

„Frau Venus das enhab ich nit
ich will das widersprechen
und redt das Jemand mehr dann ihr
Gott helf mirs an ihm rächen!“

„Herr Danhäuser wie redt ihr nun
ihr sollt bei mir bebleiben
ich will euch mein Gespielen geben
zu einem stäten Weibe“

„Und nähm ich nun ein ander Weib
ich hab in meinen Sinnen
so müßt ich in der Höllen (Hellen) Glut
auch ewiglichen brinnen “

„Ihr sagt mir viel von der Höllen
und habt es doch nie empfunden
gedenkt an meinen rothen Mund
der lacht zu aller Stunden“

„Was hilft mir euer rother Mund
er ist mir gar unmäre
nun gebt mir Urlaub Fräulin zart
durch aller Frauen Ehre“

„Herr Danhäuser wöllt ihr Urlaub
ich will euch keinen geben
nun bleibent edler Danhäuser
und fristet euer Leben“

„Mein Leben das ist worden krank
ich mag nit länger bleiben
nun gebt mir Urlaub Fräulin zart
von eurem stolzen Leibe“

„Herr Danhäuser nit reden also
ihr thund euch nit wol besinnen
so gehn wir in ein Kämmerlein
und spielen der edlen Minne

„Eur Minne ist mir worden leid
ich hab in meinem Sinne
Frau Venus edle Fraue zart
ihr seind ein Teufelinne“

„Herr Danhäufer was redt ihr nun
daß ihr mich günnet schelten
Und sollt ihr länger hier innen sein
ihr müßtens oft entgelten“

„Frau Venus das enwill ich nit
ich mag nit länger bleiben
Maria Mutter reine Magd
nun hilf mir von den Weiben“

„Herr Danhäuser ihr sollt Urlaub han
mein Lob das sollt ihr preisen
wo ihr da in dem Land umfahrt
nehmt Urlaub von dem Greisen!“

Do scheid er wieder aus dem Berg
in Jammer und in Reuen
„ich will gen Rom wol in die Stadt
auf eines Bapstes Treuen

Nun fahr ich frölich auf die Bahn
Gott muß sein immer walten
zu einem Bapft der heißt Urban
ob er mich möcht behalten

Ach Bapst viellieber Herre mein
ich klag euch meine Sünde
die ich mein Tag begangen hab
als ich euch will verkünden

Ich bin gewesen auch ein Jahr
bei Venus einer Frauen
so wollt ich Beicht und Buß empfahn
ob ich möcht Gott anschauen!“

Der Bapst hätt ein Stäblin in der Hand
das was sich also dürre
„Als wenig als es grunen mag
kummst du zu Gottes Hulde“

„Und sollt ich leben nur ein Jahr
ein Jahr auf dieser Erden
so wöllt ich Beicht und Buß empfahn
und Gottes Trost erwerben!“

Do zog er wieder aus der Stadt
in Jammer und in Leide
„Maria Mutter reine Magd
muß ich mich von dir scheiden“

Er zog da wieder in den Berg
und ewiglich ohn Ende
„Ich will zu Venus meiner Frauen zart
wo mich Gott will hin senden “

„Seind Gott-willkommen Danhäuser
ich hab eur lang emboren
seind willkommen mein lieber Herr
zu einem Bulen auserkoren“

Das währt bis an den dritten Tag
der Stab hub an zu grunen
der Bapst schickt aus in alle Land
wo der Danhäuser wär hin kummen

Do was er wieder in den Berg
und hätt sein Lieb erkoren
des muß der vierte Bapst Urban
auch ewiglich sein verloren

Zum Textverständnis: 1. Aber mhd. aber, aver, wieder, abermals —  was, war —  wann mhd. wan, wande, denn, weil, indem, da. —  3. seind, seid —  wenken mhd. wenken, wanken, weichen —  4. enhab: en für ne mhd. Negation welche gewissen Wörtern vor oder angesetzt wird z B ensin, nicht sein — 5.:  beleiben mhd. beliben, bleiben —  Gespiel mhd. gespil m.u.s: Spielgenoß, gute Freundin, Gefährtin — 6:  ewiglichen, ewiglich —  brinnen mhd. brinnen, brennen —  8: unmäre mhd. unmaere (aus „un“ und „maere“ , Erzählung), einem nicht wert dünkend , daß man davon spreche; gleichgültig, unwerth — 9:  fristen mhd. fristen,  Frist geben, dauern machen, unverletzt und noch für längere Zeit erhalten —  11: thund,  thut — 12: seind , seid —  13:  gönnet, gunnet , vom mhd. gunnen, günnen, gönnen; (daß ihr euch) erlaubet, gestattet —  ihr müßtens,  ihr müßtet es — 14:  enwill ( Negation wie oben Str 4) — 16:  scheid,  schied —  Reue mhd riuwe, Schmerz, Betrübniß —  19:  entpfahn,  empfahn mhd enpfahen, empfangen, annehmen —  24 emboren, entboren mhd. enborn pic von enbörn, entbehren —   Bule mhd Buole, Geliebter.

Der Minnesänger und Spruchdichter Tannhäuser (mittelhochdeutsch Tanhûser lebte im 13. Jahrhundert; historisch datierbare Hinweise in seiner Lyrik weisen auf die Jahre zwischen 1245 und 1265. (Wikipedia)  Tannhäusersage etwa ab 1430.

Als Venusberg – auch als Schamhügel, Schamberg, Venushügel oder in der medizinischen Fachsprache als Mons pubis oder Mons veneris bezeichnet – wird die leichte Erhebung über dem weiblichen Schambein bezeichnet. Der Venusberg beginnt an der Stelle, wo die äußeren Schamlippen vorne zusammenlaufen  (Wikipedia)  Entsprechend deutet der „Stab“ auf den Phallus hin. Der Papst hat einen dürren Stab, der nicht grünt. Hingegen grünt der Stab des Tannhäusers als er wieder bei seiner Liebsten weilt ( drei volle Tage !), der Papst hingegen ist „ewiglich verloren“. In dieser Fassung von etwa 1520 ist die Geschichte noch recht eindeutig erzählt.

Papst Urban der Vierte war Papst von 1261-1264 – er residierte in Orvieto und Viterbo und hat Rom nie betreten. Der Sage nach war es Papst Urban IV., der dem aus dem Venusberg zurückgekehrten Tannhäuser die Absolution verweigerte, weil diesem so wenig Heil werden könne, wie der Priesterstab in seiner Hand zu erblühen vermöchte. In der Sage freilich ergrünt der Priesterstab dem päpstlichen Diktum zum Trotz, weswegen die Legende die Verdammnis auf Urban IV. geworfen sieht. (Wikipedia)


Diese Fassung der Tannhäuserballade in: Fliegendes Blatt in 8. 4 Bl. „Das Lied von dem Danhewser. Mit einem Holzschnitt. Am Ende: „Gedruckt zu Nürnberg durch Jobst Gutknecht“ Um 1515-1527 –  Verglichen mit 4 andern fliegenden Blätter aus der ersten Hälfte und Mitte des 16. Jahrhunderts – abgedruckt in Deutscher Liederhort (1856), darin folgende Anmerkungen zum Text:

1.3: Und was er Wunders hat getan —  2.3: Er wollt hin zu Frau Venus Berg —  5.1:  Herr D wie redt ihr also —  6.4: auch ewiglich verbrinnen —  7.2: Und habt es (doch) nie entfunden — befunden —  7.4:  zu allen Stunden —  8.1:  Was hilft mich dann eur rother Mund der ist mir ganz unmäre — 9.3:  nun bleibet —  11.1:  Herr D nit redet also ( redt nit also) –11.2:  ihr tut euch … ihr seid nit wohl bei Sinne — 11.3: so gehnd wir — 12.1. Die gewöhnliche Lesart. Gebraucht (gebrauch) ich nun ein fremdes Weib 12.2: mich dunkt in meinem Sinne — 12.4: ihr seid ein Teufelinne — 13.1: Herr D wie redt ihr nun daß ihr mich begunnt zu schelten (und daß ihr mich tun schelten) –13.3:  sollt ich länger herinnen sein? — 12.4:  ihr müßtend (müßt)  fein dick (oft) entgelten —  14.1: Frau V. und das will ich nit — 15.3: wo ihr nun in dem Land umfahren und wa (wo) ihr in dem Land umfahrt — 15.4: von den Greisen —  17.2:  Gott well (wolle) mein immer walten — 18.4: als ich euchs will — 19.3. nun wollt ich — 20.1.:  Er hätt ein Stab in seiner Hand — 20.2.: Als wenig als es begrünen — gegrünen —  mag —  21.2: Buß entpfahn —  22.4: ich muß mich ( muß ich nun ) von dir scheiden — 23.1. Er zog nun wieder (da zog er wieder) … 24.1: Seid Gott willkumm Herr Danhäuser ich hab eur lang entboren —  26.3: des mußt…

1520

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