Was wollen wir aber heben an (Prennensperg)

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Was wollen wir aber heben an (Prennensperg)

Was wollen wir aber heben an
ein neues Lied zu singen
wir singens dem Herrn von Prennensperg
hilf Gott das uns gelinge

Zu Prennensperg stet ein hohes Schloß
gantz wohl ist es erbawet
mit Silber mit Gold mit Perle weiß
mit Marmelstein ausgemauret

Darin da liegt ein junger Knab
um seinen Hals gefangen
er liegt wohl drin zwu Klaffter tief
bei Ottern und bei Schlangen

Der Frau Gärtnerin kamen viel neuer mehr
wie ihr aller Gots liebster Sohne wär
zu Prennensperg in den tiefen Turm
auf Leib und Leben gefangen

Die Frau wohl zu dem Knechte sprach
sattle mir mein Pferd laß mich reiten
wann es die Nacht eins Jahrs lang wär
nicht länger möcht ich beiten

Da sie nun vor Prennensperg kam
gar schön ward sie empfangen
seid mir Gott willkommen Frau Gärtnerin
was schafft ihr in fremden Landen

Bitt euch ihr Herrn von Prennensperg
gebt mir mein Sohn zu lösen
hab ich daheim schöner Schösser drei
eins will ich euch drum geben

Euer Schlösser bedarfe ich nicht
der gefangen der muß sterben
er hat dem König aus Engeland trefft
auf Rauben und zu Brennen

Bitt euch ihr Herrn von Prennensperg
gebt mir mein Son zu lösen
ich hab da heim drei Donen mit Gold
eine will ich darfür geben

Euers Golds dess bedarf ich nicht
der gefangen der muß sterben
er hat dem König aus Engeland trefft
zu Rauben und zu Brennen

Bitt euch ihr Herren von Prennensperg
gebt mir mein Sohn zu lösen
ich hab daheim schöner Töchter drei
eine will ich euch drum geben

Die erste ist gar Adelich
die ander Silberliche
die dritte ist mit Gold beschlagen
scheint wie liebe Frau Sonne

Euer Tochter darf ich nit
der gefangen der muß sterben
hat er dem König aus Engeland trefft
auf Rauben und auf Brennen

Bitt euch ihr Herrn von Prennensperg
gebt mir mein Sohn zu schauen
ich gsehe ihn heut und nimmermehr
mit seinen schwarz braunen Augen

Da sie wohl in den Türen trat
gar schön ward sie empfangen
seid mir Gott willkommen Frau Mutter mein
was schafft ihr in fremden Landen.

O Sohn du liebster Sohne mein
heb an ein Lied zu singen
dass ich vor deinem letzten end
nur hör dein helle Stimme

O Mutter liebe Mutter mein
vor Leid kann ich nicht singen
denn morgen um die Neunte Stund
wird der Tod mit mir ringen.

Da man ihn zu dem Galgen naus bracht
kein Sprosse wollt er steigen
leihet mir ein seiden Tüchlein her
lasset ihm seine Äuglein verbinden.

Meine Äuglein verbindst du mir nit
laß mich die Welt anschauen
ich gsehe sie heut und nimmermehr
mit meinen schwarz braunen Augen

Fliegendes Blatt, Signatur Gal. XVIII. 2016.14, der Zentralbibliothek in Zürich
in: Wilhelm Heiske: Ein neuer Fund zum „Schloß in Österreich“, Jahrbuch für Volksliedforschung, 4. Jahrg. (1934)

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Liederzeit: vor 1580 : Zeitraum:
Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen: „Es liegt ein Schloß in Österreich“ ist ein durch die Jahrhunderte viel gesungenes Lied von einem Schloß aus Zimt und Nelken, später aus Marmor, Silber und rotem Gold. Schon im elften Jahrhundert heisst es in einem Weihnachtslied: „In himelrich ein hûs stât / ein guldin wec dar in gât ... weiter lesen

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Anmerkungen zu "Was wollen wir aber heben an (Prennensperg)"

„Vom ‚Schloß‘ her betrachtet, erschien dieser Text zunächst als eine wirre Zersingung des echten und alten Handlungsablaufes. Hier soll nun dargetan werden, daB eine Untersuchung allein von der Schloß-Ballade aus nicht zu der richtigen Erkenntnis und Einschätzung des neu gefundenen Textes führen kann. Für das Schloß würde das Fl. BI. einen zweifellos äteren Text als bisher bekannt bieten. Wir werden es etwa in das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts setzen können und kommen damit ein gut
Stück über den exakten ältesten Schloß-Beleg vom Jahre 1606 hinaus. Die mehrfache Verschweißung offenbarer Kontaminationen läßt sich jedoch nicht aus dem Deutschen klären. Nur jüngere schlesisch-böhmische Überlieferung des Schlosses beleuchtet und ergänzt manches, das unten zu berühren sein wird.“ (Heiske, 1934)