Nun beten wir das letzte Lied (1915)

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Nun beten wir das letzte Lied

Nun beten wir das letzte Lied
und heben Haupt und Hände
Ob uns die ganze Welt verriet
wir halten durch in Nord und Süd
wie sich’s auch weis und wende
Die Herzen und die Fäuste fest
Wir halten durch in Ost und West
bis an das letzte Ende

Uns soll kein Hunger, Haß und Tod
den deutschen Geist zerklauben
noch Neid und Lüge, Leid und Not
und was der Tag an Bitterm bot
den Siegertrotz uns rauben!
Ein Schuft ist, wer Schamade spricht
wir lachen ihm ins Angesicht
dieweil wir stehn und glauben

Wir glauben an den deutschen Mut
und an ein rein Gewissen
wir glauben an das rote Blut
und dass kein Tropfen Wundengut
umsonst für uns entrissen
Wir glauben an das deutsche Schwert
und was mit Kiel und Flagge fährt
und — dass wir siegen müssen!

Und ging darum die ganze Welt
in Schutt und Schand und Scherben
lass trümmern, was in Trümmer fällt
und sollt‘ der letzte Herd und Held
verdorren und verderben!
Ob hier daheim, ob dort da drauss
wir halten durch! Wir halten aus
bis in das letzte Sterben

Und solcher Geist muss Sieger sein
was sie auch schrei’n und schreiben
Gott selber ruft sein Amen drein
und keines Teufels Nie und Nein
soll uns dies Wort vertreiben
Komm an denn, Feind. zu Land, zu Meer
Die deutsche Wacht und deutsche Wehr
Das Reich muss uns doch bleiben

Text: Adolf Holst (1914)
Musik: Wilhelm Baier (1915)

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