Liederlexikon: Woltersdorf

| 1725

Ernst Gottlieb Woltersdorf: als Liederdichter, Prediger, Pädagog und fruchtbarer Schriftsteller auf dem Gebiet der Erbauungslitteratur einer der hervorragendsten Vertreter der gesunden pietistischen Herzens- und Geistesrichtung um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Er war geboren am 31. Mai 1725 als der sechste Sohn des Predigers Gabriel Lukas zu Friedrichsfelde bei Berlin, der 10 Jahre nach seiner Geburt als Prediger an die Georgenkirche in Berlin berufen wurde. Der Segen einer ernsten christlichen Erziehung begleitete ihn auf das Berliner Gymnasium zum grauen Kloster, von dem er im J. 1742, erst 17 Jahr alt, die Universität Halle bezog, um sich unter der Leitung der der pietistischen Schule angehörigen Professoren J. Lange, Michaelis, Baumgarten und Knapp dem theologischen Studium zu widmen. Er wohnte in dem Francke´schen Waisenhaus, nahm Theil an dem Unterricht in demselben, verkehrte mit jungen Männern ernster christlicher Gesinnung.[…]

Seine zahlreichen Lieder, die er neben 35 erbaulichen Schriften verfaßte, gab er zuerst einzeln, dann in zwei Sammlungen unter dem Titel „Evangelische Psalmen“ 1750 und 1751 heraus. Nach seinem Tode erst erschien die vollständigste Sammlung derselben unter dem Titel: „E. G. Woltersdorf’s sämmtliche neuen Lieder oder evangelische Psalmen“, Berlin 1767. In Leichtigkeit der Diction und Fruchtbarkeit der Production erinnert er an Benjamin Schmolck. Nur daß er sich von diesem durch die ungewöhnliche Länge seiner Gedichte unterscheidet, die eine Folge war des völligen Hingenommen- und Erfülltseins seines inneren Lebens von dem Gegenstand und des sein Herz und Gemüth ganz überströmenden und während des Schreibens ihn überwältigenden Gedankenzuflusses, der nach seiner eigenen Aussage den Vorsatz, die Fülle seiner Gedanken und Empfindungen in knappere Form zu gießen, oft genug vereitelte.

(Allgemeine Deutsche Biographie , Band 44 (1898), S. 174–184) , (Wikisource)



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Es ist noch Raum sein Haus ist noch nicht voll

Es ist noch Raum Sein Haus ist noch nicht voll Sein Tisch ist noch zu leer Der Platz ist da Wo jeder sitzen soll Bringt seine Gäste her Geht, nötigt sie auf allen Straßen Der Herr hat viel bereiten laßen Es ist noch Raum Es ist noch Zeit Die Liebe rufet noch Noch gehen Diener aus O Stadt, O Land

Kommt doch ihr armen Kinder

Kommt doch ihr armen Kinder Kommt und zaudert länger nicht Fragt doch nach dem Freud der Sünder sucht einmal sein Angesicht Schaut die ausgestreckten Arme Blickt ihm in sein Herz hinein Seht wie wallt es voll Erbarmen Welche Glut kann stärker sein Ach wie ruft die ewge Liebe ach wie wünscht der Schmerzensmann daß kein Schäflein außen bliebe weil er´s

Blühende Jugend du Hoffnung der künftigen Zeiten

Blühende Jugend du Hoffnung der künftigen Zeiten Höre doch einmal und laß dich in Liebe bedeuten Fliehe den Tand Folge der winkenden Hand Die dich zu Jesu will leiten Opfre die frische die schöne lebendige Blüthe Opfre die Kräfte der Jugend mit frohem Gemüthe Jesu dem Freund Der es am treulichsten meint Ihm deinem König voll Güte Liebevoll suchet der

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