Bremer Stadtmusikanten

Liederlexikon: Sevebaum

| 1908

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Der Sevebaum ist der Baum aus dem Lande der Sabiner, also ein Strauch, der aus Italien nach Deutschland eingeführt wurde, und zwar wurde er in althochdeutscher Zeit vermutlich von christlichen Missionaren wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Wachholder bei uns einheimisch gemacht. So verdrängte er teilweise den Wachholder, denn er galt schon den Griechen und Römern als vorzügliches Reinigungsmittel. Schon diese verwendeten den Baum öfter zum Räuchern statt Weihrauch. —

Er wurde im Mittelalter am Palmsonntag zur Weihe in die Kirche gebracht. Bock berichtet : „Die Meßpfaffen und alten Huren genießen des Sevenbaums am besten. Die Pfaffen pflegen auf den Palmsonntag den Sevenbaum mit anderen grünen Gewächsen zu weihen und geben für, der Teufel könne nichts schaffen, wo solche geweihte Stengel in Häusern gefunden werden, dadurch wird ihr Opfer gemehret und der Armen Säckel geleeret. Zudem haben die alten Hexen und Huren Acht auf die ersten Schößlein, so die Pfaffen oder andere von Sevepalmen zu dem Kreuz werfen, geben vor, diese Schößlinge seien gut für Hauen und Stechen, böse Gespenster und treiben damit viel Abenteuer, lassen´s von neuem weihen und Messen darüber lesen“. —

Es ist die altheidnische Lebensrute, die vom Wachholder auf den Sevebaum übertragen war, Die auch im Winter grüne Gerte wurde zum Pfeffern und Schlagen benutzt. So spielt in der Schweiz (Basel) und in Württemberg der Sevebaum noch heute diese Rolle. In der Volksmedizin wurden die Zweige des Sevebaums seit dem Mittelalter als beliebtes Abtreibemittel verwendet. Er macht „dünn“ und wird daher „Jungfernpalme“, „Mägdebaum“, „Kindermord“, und scherzend „jungfernrosmarin“ genannt, weil die erwiderte Liebe der „Jungfer“ durch den Gebrauch dieses Mittels wie beim Hochzeitsrosmarin allen offenbar wurde.

Mattioli berichtet (35 B): „Sevenbaum treibt der Frauen Zeit (menses) mit Gewalt. Die alten Hexen und Wettermacherinnen üben damit viel Zauberei und Abenteuer, verführen damit die jungen Huren, geben ihnen Seveschößlein gepulvert oder heißens darüber trinken, dadurch viele Kinder verderbt werden“. — Noch heute werden Blätter wie Gel des Seve-oder Sadebaums gegen Vermehrung des Kindersegens gebraucht.
Siehe auch Sadelbaum

in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)




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