Bremer Stadtmusikanten

Proletarische Kulturvereinigung

Agitprop-Truppe aus Halle

| 1919

Nach der Novemberrevolution bildete sich in Halle die Proletarische Kulturvereinigung und übernahm die Traditionen des Arbeiterbildungs-Vereins Halle-Kröllwitz. Etwa hundert Mitglieder schufen aus dem Nichts heraus und nach der Arbeitszeit auf dem Gelände der heutigen „Frohen Zukunft“ mit vorbildlichem Gemeinschaftsgeist ein Heim, das eine Werkstatt für revolutionäre Agitation und Propaganda wurde. Begabte Arbeiterjungen und -mädel bildeten mit Unterstützung älterer Genossen Interessengruppen. Bereits 1920 traten der Dramatische Zirkel und die Mandolinen-Gruppe mit großem Erfolg auf. Die Aufführungen dieser Laienspielgruppe hatten ein hohes Niveau.

Sie wirkte bis 1926 in zahlreichen Feierstunden der KPD, der Roten Hilfe und der Internationalen Arbeiterhilfe aufrüttelnd und begeisternd mit. In vielen überfüllten Theaterveranstaltungen wurden in Halle und im Saalkreis die Schauspiele „Das Gesetz“ und „Anatole“, aber auch politisch-satirische Bühnenbilder aufgeführt.

Unter Hinzuziehung von talentierten Mitgliedern des KJVD und des Jungspartakus-Bundes Halle hatten die halleschen Laienspieler zum 400jährigen Thomas-Müntzer-Gedenktag Pfingsten 1925 in Eisleben auf der Volkswiese vor Zehntausenden mit der Aufführung des Thomas-Müntzer-Schauspiels ihren größten Erfolg. Inszenierung und künstlerische Anleitung erfolgten durch den Schauspieler Gustav von Wangenheim, der selbst die Hauptrolle spielte. Von den weit über 100 mitwirkenden Laienspielern in Eisleben bildete sich aus 20 bis 30 Mitgliedern des KJVD die erste Form einer Agitationstruppe des KJVD-Halle, die bereits ernsthaft versuchte, mit neuen, aktuelleren Methoden nicht nur als Theatergruppe in Erscheinung zu treten.

Zu Jugendtagen und besonderen Feierstunden wurden z. B. große Sprech- und Bewegungschöre eingeübt, die ebenfalls künstlerische Anleitung von Schauspielern und anderen Kräften des Stadttheaters Halle erhielten. Die große Hilfe dieser mit der KPD sympathisierenden Künstler durfte wegen Gefährdung ihrer Berufsausübung in der Öffentlichkeit nicht bekannt werden. Deshalb erschienen die künstlerischen Helfer aus den bürgerlichen Kreisen in der Regel unter den Jungkommunisten ohne Namensnennung bzw. mit Pseudonym.

Kurt Möbius, in Lieder der Agitprop-Truppen vor 1945 (1956)

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Proletarische Kulturvereinigung im Archiv:

Agitprop-Truppen

Zwischen 1926 und 1930 entstanden etwa 200 Agitprop-Truppen, zum Teil auch für Schüler und kleinere Kinder, um die Bevölkerung und insbesondere die Arbeiter für den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und für den Sozialismus zu begeistern: „Die Nieter“ (Hamburg) „Proletarische Kulturvereinigung“ (Halle) „Rote Agitatoren“ (Halle) „Rote Schmiede“ (Halle) „Rote Truppe“ (Frankfurt/M.) Kindertruppe „Rote Kolonne“ (Frankfurt/M.) „Rote Reporter“ (Bremen) […]

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