Liederlexikon: Pimpernuß

| 1908

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Dieser in Süddeutschland wildwachsende sonst zur Zierde angepflanzte Strauch trägt blasenartige, dünnhäutige, zwei bis dreifächrige, nach innen aufspringende Kapseln, in deren jeder zwei runde, steinharte Samen liegen, die sogenannten Pimpernüsse. — Seine merkwürdigen Früchte erregten vielfach die Aufmerksamkeit und den Witz des Volkes. In der Schweiz heißen sie Bibernüßlein, Pumpernüßlein, Totenköpfe; in Österreich Blasennüsse, in Bremen: Pumpernickel, sonst auch Klappernüsse, Judennüsse.

Der Name Pimpernuß hängt wohl mit pimpern = rasseln wegen dem harten Samens zusammen, er wird auch vom Volke, wenigstens in Thüringen, als eine Anspielung auf die Hoden, auf die Nüsse beim Pimpern, Bimbern (=coire) angesehen. —

„Pimpernuß” ist übrigens auch ein scherzhafter Name für die Vulva im Elsaß, sie ist die Nuß (siehe Haselnuß, Walnuß), welche bimbert, siehe Anthrop. III S. 102 Nr. 68. —

Im Altertum galt die Staphylia als Liebesmittel. Orpheus berichtet davon, der zuerst einiges Wunderbare über Kräuter meldet (Plinius XX, 5). —

Die Pimpernuß hat bei den Czechen größere Bedeutung erlangt. Man benutzt sie als Lebensgerte für das Vieh. Am Palmsonntag läßt die Hausfrau Pimpernußzweige weihen, um damit am Kuhfest die Kühe rückwärts aus dem Stalle zu treiben. Man erkennt auch die Hexen durch sie.

Zu unterscheiden von unserer Pimpernuß ist die welsche, die eßbare schöne Frucht der Pistacia vera (siehe Capitel: Aphrodisiaca). Diese grüne Pimpernuß preist Mattioli als vorzügliches Aphrodisiacum.

in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)



"Pimpernuß" im Archiv:

Esche

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