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Eschenburg

| 1743

Der Literaturhistoriker, Hochschullehrer und Dichter Johann Joachim Eschenburg wurde am 7. Dezember 1743 in Hamburg geboren. Er starb am  29. Februar 1820 in Braunschweig.

„Weniger durch die Erzeugnisse eigenen Schaffens, sondern als Ordner und Sammler, wie sich die deutsche Literatur deren Weniger zu rühmen, hat E. sich um die Wissenschaft die anerkennenswertesten Verdienste geschaffen. Seine Lehrbücher, unter denen das „Handbuch der klassischen Literatur, Altertumskunde und Mythologie“, 1783. 8. Aufl., herausgegeben von Lütke 1837 und vornehmlich: „Entwurf einer Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften“, 5. Aufl. von M. Pinder 1836, zu nennen sind, zeichnen sich durch große Übersichtlichkeit und Ausführlichkeit aus und haben sich trotz der weit vorgeschrittenen Wissenschaft und obgleich seitdem neue Theorien aufgestellt sind, zum Teil noch jetzt in gelehrten Anstalten behauptet.

Schätzbar ist die der Theorie hinzugefügte: „Beispiel-Sammlung“, 1788—1795. 8 Bde., in welche er mit feinem Geschmack das Schönste zu wählen verstand. Sein „Lehrbuch der Wissenschaftskunde, ein Grundriß encyklopädischer Vorlesungen“, 1792, erlebte ebenfalls sieben Auflagen.

Eschenbach war auch einer der ersten, welche das lange vernachlässigte und verkannte Studium der altdeutschen Poesie wieder belebten und die verborgenen und unbeachteten Schätze der altdeutschen Vorzeit wieder ans Licht zogen und auffrischten. Hieher gehören die „Denkmäler altdeutscher Dichtkunst“ 1799 und „Boner’s Edelstein in hundert Fabeln“ 1810, sowie zahlreiche kleinere Arbeiten in verschiedenen Zeitschriften. Besonders groß ist sein Verdienst um Sichtung und Herausgabe des Lessing’schen Nachlasses, zu welcher Arbeit er als Lessing’s Freund und Studiengenosse, so wie durch die ihm eigene Discretion in hohem Grade geeignet war.

E. gab auch die Gedichte seines Freundes D. Schiebeler 1773, sowie Zachariä’s hinterlassene Schriften 1781, Ebert’s Episteln 1795 und Hagedorn’s poetische Werke 1800 heraus. Durch gründliche Uebersetzungen aus fremden Sprachen in die deutsche hat er sich ebenfalls Anspruch auf Anerkennung erworben. Ihm verdankt Deutschland die nähere Bekanntschaft mit den damaligen bedeutendsten englischen Schriftstellern im Gebiete der Aesthetik, wie J. Brown, D. Webb, Hurd, Joh. Priestley, Karl Burney, welche er übersetzte und mit Anmerkungen begleitete.

Das größte Verdienst erwarb er sich durch seine Uebersetzung der Shakespeare’schen dramatischen Dichtungen („Shakespeare’s Theatralische Werke übersetzt“. Zürich 1775—1784. 13 Bde. Zweite Auflage 1798—1806. 12 Bde.). E. hat das Verdienst, die erste vollständige Uebersetzung geliefert zu haben, und wenn dieselbe auch des metrischen Schmuckes entbehrt und nicht überall die Form ergründet, so ist zu erwägen, daß E., Wieland ausgenommen, welcher vor ihm einige Shakespeare’sche Stücke übersetzt hatte, überhaupt der erste Deutsche war, welcher sich an diese große Aufgabe wagte, und daß Treue in der Uebersetzung und Gründlichkeit in den kritischen Bemerkungen ihn zum Bahnbrecher für alle späteren Uebersetzer Shakespeare’s gemacht haben. —

In der Schrift: „Ueber Shakespeare“. 1787. Neue Aufl. 1806, verstand er plan- und lichtvoll die Mängel und Vorzüge des unsterblichen Dichters abzuwägen. Eschenburg’s eigene dichterische Erzeugnisse sind nicht sehr bedeutend. Es fehlte ihm das Feuer der Phantasie und der Geist origineller Frische. Alle seine lyrischen, epischen und dramatischen Versuche z. B. „Comala, ein dramatisches Gedicht“, 1769, „Lucas und Hannchen“, 1768, „Der Deserteur“, 1772, sind wie seine Uebersetzung von Voltaire’s „Zaire“, 1776, längst vergessen, doch erfreuen sich manche seiner religiösen Lieder, wie: „Ich will Dich noch im Tod erheben“ und „Dir trau‘ ich Gott und wanke nicht“ einer großen Verbreitung und sind noch jetzt in vielen Gesangbüchern zu finden. — E. schrieb auch, als das Collegium Carolinum in der westfälischen Zeit in eine Militärschule umgewandelt wurde, eine „Geschichte des Collegii Carolini in Braunschweig“, 1812, um der Anstalt, zu deren Blüthe er so viel beigetragen, ein Denkmal der Erinnerung zu stiften.

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