Liederlexikon: Es wollt ein Jäger jagen

| 1516

„Es wollt ein Jäger jagen“ ist ein erotisches Jägerlied, das in verschiedenen Fassungen mündlich überliefert ist.

  • Es wollt ein Jäger jagen
    Der Jäger findet im Wald drei junge Frauen, entführt die jüngste mit Gewalt und bringt sie auf das Schloß zu seinem Herrn, der die junge Frau missbraucht und schwängert. Die Geschichte steht in einer Heidelberger Handschrift von 1516. Es gibt eine konkrete Ortsangabe, ein Schloß im Allgäu, das zehn Jahre nach der Niederschrift von aufständigen Bauern in den Bauernkriegen zerstört wird. Weitere zehn Jahre später wird das Lied christlich umgewandelt. Die junge Frau ist jetzt Maria und der Herr ist Gott. Maria wird bekanntlich schwanger ohne Geschlechtsverkehr.
  • Der verschlafene Jäger
    In dieser Variation des Themas trifft der Jäger im Wald ein Mädchen, er will sie mit oder ohne Gewalt verführen, doch als sie Morgens erwacht, ist sie noch Jungfrau. Nun will er, dass sie sich kleidet und die Haare trägt, als wäre sie seine Braut, doch sie begehrt erneut ihre Unabhängigkeit und einen jungen Mann.
    Erstmals 1517 in den Niederlanden aufgezeichnet („Es wollt ein Ritter reiten“), ist das Lied besonders im 19. Jahrhundert populär.