Wie kommt′s dass du so traurig bist (Goethe)

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Wie kommt′s, dass du so traurig bist
Da alles froh erscheint?
Man sieht dir′s an den Augen an
Gewiß, du hast geweint

„Und hab′ ich einsam auch geweint
So ist′s mein eigner Schmerz
Und Tränen fließen gar so süß
Erleichtern mir das Herz.“

Die frohen Freunde laden dich
O komm′ an unsre Brust
Und was du auch verloren hast
Vertraue den Verlust

„Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht
Was mich, den Armen, quält
Ach nein, verloren hab′ ich′s nicht
So sehr es mir auch fehlt.“

So raffe denn dich eilig auf
Du bist ein junges Blut
In deinen Jahren hat man Kraft
Und zum Erwerben Mut

„Ach nein, erwerben kann ich′s nicht
Es steht mir gar zu fern
Es weilt so hoch, es blinkt so schön
Wie droben jener Stern.“

Die Sterne, die begehrt man nicht
Man freut sich ihrer Pracht
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heitern Nacht

„Und mit Entzücken blick ich auf
So manchen lieben Tag
Verweinen laßt die Nächte mich
Solang ich weinen mag.“

Text: Johann Wolfgang von Goethe (1804)

Geschichte dieses Liedes:


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Liederzeit: (1804)

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