Wir harren all auf einen Tag

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Wir harren all auf einen Tag
Und der Tag, der Tag wird scheinen
Für die Großen ein flammender Wetterschlag
Und ein Ostertag für die Kleinen
Wo die Sonn’ aufgeht wie Blut so rot
Und der Mond so bleich als wie der Tod –
Der Tag wird kommen!

Ihr habt das Meer und des Stroms Gebraus
In des Winters Fesseln geschlagen
Und habt erbaut euer stattlich Haus
Auf dem Eise – das muß euch tragen
Doch horch! wie’s stöhnt und dröhnt und kracht!
Der Grund ist lüstern nach eurer Pracht –
Der Tag wird kommen!

Weh euch, wenn der Frühling stürmt und saust
Bis die berstenden Schollen brechen
Bis der Bach und der Fluß und der Strom erbraust
Die gefesselten Geister sich rächen
Und das rote Meer, das vergossene Blut
Den Pharao frißt samt seiner Brut –
Der Tag wird kommen!

Ha, kommen wird er, dem Simson gleich
Die gewachsenen Locken schüttelnd
Und an den Säulen von eurem Reich
Mit riesigen Armen rüttelnd
Und wird euch singen ein Lied dabei –
»Allons enfants« heißt die Melodei –
Der Tag wird kommen!

O mächtiger, prächtiger Donnerhall
Wenn die Pfeiler weichen und wanken
Wenn die Zwingburg berstet mit lautem Knall
Im Sturme der Freiheitsgedanken
Wenn keine Kette fürs Heil mehr bürgt
Weil der Sklave den Herrn mit der Kett’ erwürgt –
Der Tag wird kommen!

O köstlicher, tröstlicher Ostertag!
Wenn sie aufstehn, die Nationen
Hinwegzufegen mit einem Schlag
Die Throne zusamt den Drohnen
Wenn das Volk einhertritt zum Gericht
Und sein gewaltiges Schuldig spricht –
Der Tag wird kommen!

Ja, kommen wird er wie’s Morgenrot,
Das heraufsteigt jeden Morgen
Und kommen wird er als wie der Tod
Dem bleibt kein Haupt verborgen
Wir harren all auf einen Tag
Wir harren all auf einen Schlag –
Und der wird kommen

Text: Ludwig Pfau

Liederthema: ,
Liederzeit: (1849)


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