Bremer Stadtmusikanten

Gott hat das Evangelium gegeben (Zeichen vor dem jüngsten Tag)

Gott hat das Evangelium gegeben
daß wir werden fromm
Die Welt achtet solchen Schatz nicht hoch
Der mehrer Teil fragt nicht danach
Das ist ein Zeichen vor dem jüngsten Tag

Man fragt nichts nach der guten lehr
Der geiz und wucher nur vielmehr
Hat überhand genommen gar,
Noch sprechen sie: es hat kein  g’fahr.
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Täglich erdenkt man neue netz
Das sind der gottlosen gesetz
Damit sie alles gut zu sich
Gern wollten reiß’n gewaltiglich
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Man rühmt das evangelium,
Und will doch niemand werden fromm.
Fürwahr man spott’t den lieben Gott;
Noch sprechen sie:es hat kein‘ not.
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Es ist doch eitel büberei,
Die welt treibt große schinderei
Als ob kein Gott im Himmel wär
Das armuth muß sich leiden sehr
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Die schätz‘ der kirchen nimmt man hin
Das wird ihn’n bringen kein’n gewinn
Die armen läßt man leiden noth
Und nimmt ihn’n aus dem mund das brod
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Die schätz‘ der kirchen sind ihr gift
Sie sind von ihnen nicht gestift’t
Noch nehmen sie das kirchen-gut
Sieh, was der leidig‘ geiz nicht thut
Das ist ein zeichen vor dem jungsten tag

Man fragt nach Gott dem Herrn nicht mehr
Die welt stinkt ganz nach eitler ehr
Die hoffart nimmt ganz überhand
Betrügen, lügen ist kein‘ schand
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Wo bleibst die brüderliche lieb‘?
Die ganze welt ist voller dieb
Kein treu‘ noch glaub‘ ist in der welt
Ein jeder spricht: Hätt ich nur geld
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Die welt will ihr nicht lassen wehr’n
Ann Gott’s wort will sich niemand kehr’n
Sie haben nichts gelernet mehr
Denn ur fressen und saufen sehr
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Ihr‘ größte kunst ist banketir’n
Und in der büberei studir’n
Das kann sie aus der massen wohl
Die welt ist aller schalkheit voll
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Die liebe sonne kann nicht mehr
Zusehen, und entsetzt sich sehr
Darum verliert sie ihren schein
Das mag ein‘ große trübsal sein
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Der mond und sterne ängsten sich
Und ihr gestalt steht jämmerlich
Wie gern sie wollten werden frei
Von solcher großen büberei
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag

Darum komm lieber Herre Gott
Das erdreich überdrüßig ist
Zu tragen solche höllen-bränd
Drum mach’s einmal mit ihr ein end
Und laß uns sehn den lieben jüngsten tag

Text und Musik: Erasmus Alber

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Liederthema: Geistliche Lieder | Politische Lieder
Liederzeit: (1600)
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