Rübezahl wird ein Holzhacker


Einstmals kam Rübezahl in das, seinem Bergbezirk benachbarte, Hirschberg und bot einem Bürger seine Dienste als Holzhacker an, indem er für seine Bemühung nicht mehr als eine Hucke Holz forderte. Dies verhieß ihm der Bürger, ging den Vorschlag ein und zeigte ihm etliche Fuder, dabei gedenkend, er wolle ihm noch etliche Mitgehülfen zugesellen. Aber hierzu spricht der Rübezahl: »nein, es ist unnötig, ich will es alles selber wohl allein bezwingen.«

Darauf redet ihn der Herr noch ferner an, fragend: wo er denn die Axt habe? da er keine bei dem gedungenen Knechte bemerkte. Darauf antwortete der Rübezahl: »ich will bald eine kriegen.« Und erwischte hiermit sein linkes Bein, zog solches mit dem Fuße aus den Lenden heraus und hieb, als wenn er toll und rasend wäre, damit alles Holz in einer Viertelstunde gar kurz und in kleine Scheite, dazu sich ein ausgerissener Fuß viel tausendmal hurtiger, als die schärfste Axt, erzeigte.

Inmittelst rief der Hauswirt aber immer, was er rufen konnte (weil er flugs Unrat merkte), daß der abenteuerliche Hacker einhalten und sich aus dem Hofe packen sollte. Der Rübezahl sagte aber immer: »nein, ich will nicht aus der Stelle weichen, ehe ich mein Holz klein gemacht habe und meinen Lohn davon trage.« Und unter solchem Gezänke ward der Rübezahl gleich fertig, steckte sein Bein wieder hinein, indem er vorher nur auf dem einen, nach Storchs Manier, gestanden und sackte alles geschlagene Holz auf einem Haufen auf seinen Buckel, es waren aber bei vier Klafter, und spazierte für allen Henker zur selb beliebten Wohnung hiermit davon; ließ den Wirt schreien und wehklagen, so viel er immer wollte.

Diesmal war aber Rübezahl kein schelmischer Geist, sondern nur ein Rächer der Unbill. Der gedachte Bürger nämlich hatte das Holz durch etliche arme Bauern zu sich fahren lassen, um einen gewissen Lohn, den der wortbrüchige Mensch den armen, darauf wartenden Bauern nicht gezahlt hatte. Rübezahl soll einem jeden Bauer das von ihm angefahrne Holz vor die Türe geworfen und dabei den Verlauf der Sache erzählt haben.



mp3 anhören CD buch

Liederthema: Allgemein
(1811)
Schlagwort: | |
Region: - Liedergeschichte: -