Liederlexikon: Spindelbaum

| 1908

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Des Spindelbaums zähes Holz wurde einst zu den Spindeln gebraucht, er galt daher als Baum der Freya, der Schicksalsgöttin. Er ist ein Strauch von armdickem Stamm, grauer Rinde, mit langen Ruten und Ästen, langen grünen Blättern; im Frühling blüht er weiß, bekommt später schöne rosenrote Beeren.

Diese roten runden Früchte gaben zu mancherlei erotischen Vergleichen mit den Hoden schon im Mittelalter Anlaß. So taucht schon in Schricks Materi von ausgeprannten Wassern (Augsburg 1477) der Name „Pfaffenhödchen”, „Pfaffenhödel” (verderbt „Pfaffenhütchen”, „Pfaffenpfötchen”) auf. Das Volk macht bekanntlich die Pfaffen gern zur Zielscheibe seiner sexuellen und erotischen Witze und Vergleiche.

Auch bei Bock (Elsaß) findet sich um 15oo der Name „Pfaffenhödel”, wie denn auch im Slovenischen der Strauch Popova möda („Pfaffenhoden”) auch „Pfaffenköppchen” heißt. — Daneben treten dann auch Namen wie „Hahnenhödlein” (Bock), „Hahnenhödel”, „Hahnenhoden” (Thüringen) auch „Katzenklötchen” (mittnd. und Schlesien) auf. Klötchen, Kloten, Kloden (= Kloß, Klößchen) bedeuten bekanntlich die Hoden. —

Der Vergleich mit den Hoden kam offenbar durch die Fruchtkapsel, in deren vier Fächern je zwei Samenkerne wie Hoden verschlossen liegen, jeder Kern ist mit einem breiartigen Mantel eingehüllt.

in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)



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