Liederlexikon: Riel

| 1970

Jürgen Riel wurde 1906 geboren. Er war bis 1933 einer der bekanntesten Führer, Autoren und Liedermacher der Deutschen Freischar .
„Jürgen Riel mußte sich Ende 1935 ins Ausland absetzen, es war Haftbefehl gegen ihn erlassen worden wegen „staatsfeindlicher Betätigung“ und wegen Verstoß gegen § 175 (Homosexuellen-Paragraph). Riel, ursprünglich aus einer schlesischen Wandervogelgruppe kommend, war bis 1933 einer der bekanntesten Führer, Autoren und Liedermacher der Deutschen Freischar gewesen, und noch in den ersten Jahren nach 1933 hatte der Voggenreiter-Verlag seine beliebten Jungenerzählungen im Vertrieb („Der gefangene Reiter“, „Das Geheimnis der Klosterinsel“, „Die tolle Fahrt der Artemis“). Wenn man in die Zeitschriften der Freischar aus der Zeit vor 1933 hineinblättert, findet man viele Berichte und Gedichte von Riel, und sie lesen sich noch heute gut – es fehlt bei ihnen der sonst damals in bündischen Texten häufig anzutreffende Schwulst.
Riel war erfolgreich in seinem juristischen Beruf, was dann dazu beitrug, dass er 1935 in Misskredit bei den NS-Machthabern geriet. Als Gerichtsassessor, erst 29 Jahre alt, leitete er die Untersuchungskommission zu einem aufsehenerregenden Bauunglück bei der Berliner S-Bahn, das 17 Todesopfer kostete, und bei dieser Gelegenheit geriet er mit Dr. Robert Ley aneinander, dem Anführer der „Deutschen Arbeitsfront (DAF), einem hohen Nazi-Führer, der es offenbar besser wissen wollte als die Justiz. Von da bis zur Denunziation bei der Gestapo war es nicht weit. Riel konnte in „fremde Welten“ entkommen, er lebte später in den USA, arbeitete Anfang der 1950er Jahre auch noch einmal von dort aus an einer bündischen Zeitschrift mit, dem (neuen) „Lagerfeuer“ im Voggenreiter-Verlag, das zunächst von einigen Altfreischärlern um Kurt Nabel gemacht wurde.“
Prof. Dr. Arno Klönne