Liederlexikon: Kranzsingen

| 1970

Das Kranzsingen, d.h. singen um den Preis eines Kranzes, war eine alte Volkssitte; junge Leute, heisst es, seien an etlichen Orten in Schwaben des Nachts ausgegangen und hätten Lieder gesungen und schöne Gedichte gesprochen, damit ihnen ihre Liebsten Kränzlein ( schapelin ) geben. Sebastian Frank erzählt im Weltbuch unter den Bräuchen in Franken am Johannistage: »Die Maid machen auf diesen Tag Rosenhäfen, also: si lassen inen machen Häfen voller Löcher, die Löcher kleiben si mit Rosenblettern zu und stecken ein Liecht darein, wie in ein Latern, senken nachmals diesen in die Höhe zum Laden herrauss, da singt man alsdann umb ein Kranz Meisterlieder; sunst auch oftmals im Jahr zuo Summerszeit, so die Meid am Abent in ein Ring herumb singen, kummen die Gesellen in Ring und singen umb ein Kranz, gemeintlich von Nägelin gemacht, reimweiss vor; welcher das best tuot, der hat den Kranz.« Die Kranzlieder gehören zu den Rätselliedern; es sind ihrer nur zwei erhalten (in Uhland –  Volkslieder, Nr. 2 und 3), deren zweites folgendermassen beginnt:


Ich kumm aus frembden landen her
und bring euch vil der neuwen mär


( Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 527-528 , Zeno.org )

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