Liederlexikon: Feige

| 1908

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Bei den Römern tritt die erotische Bedeutung der Feige. ebenfalls stark hervor. Unter dem Feigenbaum wurden  Romulus und Remus von der „Wölfin” gesäugt. Der Baum war wegen seines starken milchigen Saftes ein „säugender” Baum. Daher war er der Juno, der großen Ernährerin, heilig. Unter einem wilden Feigenbaum wurde ihr Fest zu Rom gefeiert. Freie und unfreie Frauen brachten den Milchsaft der Feige der großen Milchspenderin als Opfer dar. — Die römischen Frauen wurden an den Luperitanen unter diesem Feigenbaum mit dem Riemen der Bockes geschlagen, um erotisch erregt und fruchtbar zu werden.  So singt Ovid von dem hageren Bock, der den Penis bedeutet, und von der Feige, der Vulva. Ficus, Feige, ist wie das griechische sykon eine Bezeichnung des weiblichen Gliedes.

Die Feige (ficus) war also bei den Römern nur das Symbol der vulva; sie hat noch jetzt in Italien diese Bedeutung. Eine „Feige machen” ist eine obscöne Handfigur, welche dieses Glied darstellt. Diese Feigengeste war von altersher in Italien üblich und ist es noch heute nicht bloß hier, sondern auch in anderen romanischen, auch germanischen Ländern. So ist die „Figa” in Portugal eins der gebräuchlichsten Amulette gegen den bösen Blick und den Hexenzauber. Sie stellt eine geschlossene Hand dar, den Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger. Es wird dies Amulett gewöhnlich um den Hals oder in ein Kleidungsstück eingenäht getragen. Die Entblößung des zeugenden bezw. gebärenden Geschlechtsteiles ist ein uralter Zauber wohl aller Völker gegen die bösen Dämonen und Mächte.

Aus dem mittellat. facere ficum oder facere ficham entstand die deutsche Redensart: einem die Feige weisen. Italienisch heißt es: far la fica; neapolitanisch: far la fico; französisch: faire la figue; englisch: to give the fico; holl.: de vijg geven. — Erwähnt sei noch, daß der italienische Dichter Molza die Feige in einem Terzinenlehrgedicht besungen und einen sehr deutlichen Kommentar dazu geliefert hat.

Auch bei uns in Deutschland hat die Feige jene sexuelle Nebenbedeutung der vulva. In einigen Gegenden Bayerns tragen die Frauen als Amulett gegen die Unfruchtbarkeit künstlich nachgemachte Feigen an den Schnüren des Mieders, auch am Rosenkranze. Im Solingschen nennt man den cunnus des Weibes „Fig” (Feige). Im Wienerischen Volksdialekt heißt die vulva „die Feig´n”, und den Schürzenjäger nennt man „a Feig´n-Tandler” (Anthrop. II u. IV). Auch im mitteldeutschen Gebiet ist der Ausdruck „Feige” in diesem Nebensinne bekannt. —

Das Feigenblatt ist das Schamblatt, es weist auf die Scham, zunächst des Weibes; denn nach späterer Überlieferung soll sich Eva einen Lendenschurz von Feigenblättern gemacht haben. „Feigenblättchen” wird wie „Bohnenblättchen” als Ausdruck für die vulva gebraucht. Auf hessischen llochzeiten singen die verheirateten Weiber, indem sie der Neuvermählten den Brautkranz vom Kopf zu reißen suchen:

Braut zieh die Brauthaub´ aus
Und sei die Frau in deinem Haus
Feigeblatt und grüner Klee
Heut eine Jungfer und nimmermeh”.


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