Bremer Stadtmusikanten

Erotische Volkslieder aus Deutschland

| | 1910

Erotische Volkslieder aus Deutschland wurden 1910 herausgegeben von Hans Ostwald . Eberhard Frowein Verlag, Berlin W 15. Hans Ostwald schreibt im Vorwort:
Erotische_Volkslieder_aus_DeutschlandBis in mein Zimmer hinein höre ich das Gepolter der Eisenbahn oder das Gebimmel der Elektrischen, das Heulen der Fabriksirenen und das Töfftöff des Autos. Sehr melodisch klingen diese Töne nicht. Aber sie verschwinden doch manchmal. Und dann singt das Locken der Vögel vom Garten herein. Wie eifrig und deutlich das Vogelmännchen dem Weibchen seine Wünsche und seine Gelüste vorträgt! Immer wieder schlägt es an und trillert und pfeift und zwitschert von liebestollen Dingen. Wie gut das klingt! –
Die Eisenbahn und das Grammophon, die Musikmaschine und der Gassenhauer scheinen mit ihren oft so widerwärtigen Geräuschen keinen Fleck unserer deutschen Erde verschonen zu wollen. Selbst in den oberbayerischen Bergen hörte ich im vergangenen Sommer die neuesten Berliner Schlager. Betriebsame Wirte sorgten durch Musikmaschinen für ihre Verbreitung. Und die einheimische Tanzmusik versuchte sich auch in falsch angebrachtem Ehrgeiz an den Erzeugnissen der großstädtischen Tingeltangelproduktion. Aber auch hier ging es schließlich wie mit der Eisenbahn und mit den Vögeln. Die Erotik brachte noch andere Töne zum Vorschein: Das sonst so totgeschwiegene und von tausend Gassenhauerrefrains überschrieene, ausgepfiffene und verjagte Volkslied klang plötzlich ganz lebendig. Ich sah später in meiner Sammlung von Volksliedern nach, [4] die mir von Bauern, Arbeitern, Kleinbürgern, Hausierern und Studenten eingesandt worden waren und ließ mir gleichzeitig von meinen Helfern neues Material schicken. Ein ziemlich bedeutender Posten kam zusammen. Und fast nur Erotika. Zweifellos genügen dem Volk die mehr oder weniger schlüpfrigen und nur zweideutigen modischen Verse nicht. Es braucht für seine Sinnesfreude herzhaftere Kost. Und da hat sich gerade die alte Art und Weise erhalten, die aus dem Wesen unseres Volkes herausgewachsen ist und die bestimmt auch solange bestehen wird, wie ein deutscher Mann an die Freuden der Liebe denkt. Denn was im Wesen eines Volkes liegt, was aus seinem Fleisch und Blut herausgewachsen ist, kann nie ganz verschwinden. Neues kann neben ihm auftauchen. Aber Spuren des Alten werden immer durch die neuen, schlechtgewebten Gewänder blicken. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Wie das Lied von der Anne-Marie.

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"Erotische Volkslieder aus Deutschland" im Archiv:

Möller Möller mole wenn der Wind good geiht (Plattdeutscher Dorfreim)

Möller, Möller mole, wenn der Wind good geiht Mäken lot die vögeln, wenn de Hohn good steiht Mäken lot di vögeln, ick bin ut de Stadt Ick hof en gooden, dicken, rauhen, nauen Sack in Erotische Volkslieder aus Deutschland (1910)

Ich bin von Oberweibelsbach

Ich bin von Oberweibelsbach Weiß nicht, wem ich gehör Mich hat, scheint´s mir, ´n Entrich g´macht Drum wack´l ich so daher Schnadahüpfel aus Pforzheim () in Erotische Volkslieder aus Deutschland (1910)

Schiebt n´nein, schiebt n´nein

Schiebt n´nein, schiebt n´nein schiebt n´ nich daneben Ich bin ein armes Bauernmädchen muß vom schieben leben Text und Musik: Verfasser unbekannt – in Erotische Volkslieder aus Deutschland (1910) Die Noten zu "Schiebt n´nein, schiebt n´nein":

Der Floh ist ein kleines Ding

Der Floh ist ein kleines Ding Aber beißen tuat er sehr Und find er wo an warmen Platz So beißt er wie ein Bär I möcht of gern a Wachtl sogn Ja, weil´s mi lang schon druckt Er steigt hinten auffi, voran firi Hinten obi und wieda zruck Bei meinem Schatz ihrn Kammafensta Steht oft […]

Soldaten seins geschwinder als der Wind

Soldaten seins geschwinde geschwinder als der Wind die machen durch das Hemde das allerschönste Kind zum Trula Trula Trularialala Der Hauptmann kommt geritten auf einem Ziegenbock da meinen die Rekruten jetzt kommt der liebe Gott Zwei Mark und zwanzig Pfennig ist unser bares Geld davon wird noch die Hälfte zum Stiefelschmotz verwend´t Text und Musik: Verfasser unbekannt – […]

Die Barnimstrasse die ist allbekannt

Die Barnimstrasse, die ist allbekannt Da drinnen steht ein Häuschen Das wird Barnim genannt Da kommen all die Damen So lieblich und so fein Die da promenieren Des Nachts beim Mondenschein Die kommen da hinein Mit ´n Grünen so ganz allein Da drinnen, i Gott bewahre Da gibts keine Guitarre! Da gehts schwapp schwapp Ach […]


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