Den Auswanderern des Ahrtals

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So wollt ihr fort
O seht im Abendbrande
Die ernsten Felsenstirnen mild erglühn
Schaut diesen weiten Blick in lichte Lande
Vom Fels herab aus dunklem Rebengrün
Lockt euck nicht mehr des Herbstes würziger Segen
Der purpurn in die Tonnen niederrinnt
Nicht mehr das Lied das rings auf schroffen Stegen
Um Burgentrümmer seinen Eppich spinnt

Hält euch nicht fest des Dorfe’s duftge Linde
Die schon der Väter Lust und Liebe sah
Wo euch beim Flußgeräusch im Abendwinde
Von eurem Schatz der erste Gruß geschah
Ihr wollt nicht mehr vom Wald den Maibaum bringen
Und mit den Dirnen, die nach altem Brauch
Am Maifest ihr erkauft, im Tanz euch schwingen
Ach Bräuche sterben mit der Heimat auch

Und doch was schelt ich Die Natur nur fehlte
Als sie einst dichtend formte diese Höh n
Und nicht die Fülle mit dem Reiz vermählte
Denn ach dies Land sie schuf es allzuschön
Sie gab den Geist euch in des Weines Gabe
Doch Korn und Weizen maß sie euch zu klein
Nun darbet ihr in eurer eignen Habe
Und nicht für euch mehr zieht ihr euern Wein

So geht in Frieden denn und nehmt den Segen
Des Dichters den das Vaterland noch hält
Nicht zagt mein Herz um euch ihr tragt entgegen
Gesparte Kraft dem Werk der neuen Welt
Zieh hin o Greis wenn schon dein Haupt sich lichtet
Die Faust ist fest noch und von Arbeit stark
Bis du den Kindern hast ein Haus errichtet
Vertrocknet dir noch nicht im Arm das Mark

Du Rotkopf der auf schneebedeckten Fluren
So scharf die Fährte sieht beim Otterfang
Leicht witterst du im feuchten Gras die Spuren
Die dir verraten einer Rothaut Gang
Den Fuchs zu fangen kennst du jede Finte
Und wohl zu messen weißt du Kraut und Lot
Nicht beben wird in deiner Hand die Flinte
Wenn dort das Horn des Bisons dich bedroht

Das weiße Tuch ums braune Haar geschlagen
Mit Wangen rot mit Augen deutsch und blau
Du muntres Mädchen willst den Zug auch wagen
Die weiße Haut nur hüte dir genau
Arm fährst du aus des Vaterlandes Hafen
Dort gibt dein Blut schon Adel dir und Stand
Vielleicht gebeutst du selbst noch über Sklaven
An eines farb’gen Pflanzers derber Hand

Auch manche Träne wird die Täuschung kosten
Der Hauch der Freiheit ist wie Märzluft scharf
Schwer pflanzen sich der neuen Hütte Pfosten
Und jeder wird euch nehmen was er darf
Doch euch wird auch die neue Freiheit stärken
ihr werdet rasch ergreifen euer Recht
An euern Kindern werdet bald ihr merken
Wie klug und stark erwächst ein frei Geschlecht

O haftet an der mütterlichen Erbe
Die dort aus unerschöpftem Schoß euch speist
Seid treu dem Pflug und der geliebten Herde
Seid treu der Heimat traulich stillem Geist
Bleibt fern von Bostons lautem Weltmarkttosen
Und von des Yankee kalter Gierigkeit
Bleibt rein vom nicht’gen Hochmut des Franzosen
Von des Creolen träger Lüsternheit

So zieht denn hin mit eurem kargen Gute
Ein Einzelkorn in jener Völkersaat
Und wenn in Zukunft aus gemischtem Blute
Ein einig Volk wird eins in Sinn und Tat
Dann gebt hinzu die keusche deutsche Ehre
Dann haltet fest den redlich deutschen Mut
Mit frommem Sinne pflegt des Geists Altäre
Und weckt im kalten Volk der Künste Glut

Text: Johann Gottfried Kinkel (um 1840 ?, vor 1857)

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