Es flog ein kleins Waldvögelein (Pelikan)

Es flog ein kleins Waldvögelein (Pelikan)

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Es flog ein kleins Waldvöglein
der Liebsten vor die Tür
klopft an mit seinem Schnäbelein
gar still mit aller Zier
Ich bin so weit geflogen
in Kummer und Sorgen groß
doch still und ganz verborgen
der Liebsten in ihren Schoß

So grüß dich Gott im Herzen
Du schöns Waldvögelein
Vertreibst mir viel der Schmerzen
Daß du bei mir kehrst ein
Bist du so weit geflogen
In Kummer und großer Gefahr
Dir bleib ich g’neigt und g’wogen
Mit großer Liebe gar

Bin ich geflogen über Berg und Tal
Doch mit sehr großer Müh
Und such mein Lieb ganz überall
Trag Sorg, sie sei nicht hie.
Herzlieb! bist du vorhanden
Tröst mich Waldvögelein
In dein schneeweiße Hände
Schleuß du. Herzlieb, mich ein

Wie soll ich dich denn trösten
Du schöns Waldvögelein?
Ist mir das allergrößte
Daß es jetzt nicht kann sein
Dir will ich mich ergeben
Hab dir mein Treu zum Pfand
Solang ich Hab das Leben
Drauf biet ich dir die Hand

Jungfrau, wollt ihr mich kennen?
Ich heiß der Pelikan
Der sein Herz tut auftrennen
Sein Blut daraus tut lan
Ich will mich unterwinden
Für dich selber, mein Herz
Mit großer Lieb verbinden
Sag ich ohn allen Scherz

Dieweil du dich tust nennen
Und heißt der Pelikan
Darbei sollst du erkennen
Von dir will ich nicht lan
Dieweil du dich tust setzen
In Kummer und große Gefahr
Dessen will ich dich ergetzen
Soll währen immerdar

Ein Vogel in Arabia
Phönix wird er genannt
Darumb, du schöne Amasia!
Mit ihm wurdest du verbrannt
Darumb mein Leib und Leben
Das will ich bei dir lan
So du mir würdest geben
Mein Treu wird bei dir stahn

Wo tust du nun hindenken
Du schöns Waldvögelein?
Laß dich doch nur nicht kränken
Dein eigen will ich sein!
Mein Treu will ich dir halten.
Wie du begehrst an mich
In solcher Maß und Gestalten
Begehr ich auch an dich.

Der Adler und die Königin
Haben mit mir ein Streit.
Und hassen mich Waldvögelein,
Dieweil ich flieg so weit
Ich flieg der Lieb zu Ehren
Weil ich das Leben Hab
Das soll mir Niemand wehren
Ade! ich flieg darvon

Dieweil du dich tust schwingen
Über die breite Heid
Glück kann dich wieder bringen
Behüt dich Gott für Leid
Wenn du tust wiederkehren
Das bringt die liebe Zeit
Kehr dich bald wieder here
Herzlieb! fleuch nicht zu weit

Wer ist. der uns diß Liedlein sang
von neuem hat gemacht?
Das hat gemacht der Pelikan
Der Lieb zu guter Nacht
Er hats so wohl gesungen
Aus frischem freiem Mut
Hat auch darbei vernommen
Wie weh das Scheiden tut.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1653 „Der Ritter zum Besuch“)

Tugendhafter Jungfrauen etc. Zeitvertreiber (um 1690) Nr. 121. Fliegendes Blatt 8. 4 Bll. — Nicht zu verwechseln ist damit ein andres Lied gleichen Anfangs: „Ein hübsch Liede, Es fleugt ein kleyns waldfögelein (der lieben zum Fenster ein). Ein schöne Tagweyß. Mit gantzem ellenden hertzen klag ich“. Am Ende: Gedruckt zu Nürnberg durch Valentin Newber.

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema: ,
Liederzeit: (1610)