Deckt mir überreich den Tisch

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Deckt mir überreich den Tisch
Für die lieben Gäste
Aber aus dem Keller holt
Mir das Allerbeste
Dass sie lächelnd sich gestehn
Wenn sie heimwärts schweben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Wonnig lacht mir deutscher Wein
Wonniger das Leuchten
Wenn der Zecher Augen sich
In Entzückung feuchten
Ist ihr stammelnd Zeugnis doch
Feinste Frucht der Reben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Unser Dichten, unser Tun
Richten Pharisäer
Rückt indessen um den Tisch
Näher nur und näher
Will nun mit erhöhter Kraft
Nach dem Ruhme streben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Mag euch nun der Misanthrop
„Tafelfreunde“ schelten
O, ich weiß: ihr werdet einst
Was ich gab, vergelten
Klagend wird’s an meiner Gruft
Euer Herz durchbeben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Und in meiner sichern Truh
Werd‘ ich leise lachen
Weil Freund Hein es nicht geglückt
Ganz mich tot zu machen
Wird ein Tropfen meines Bluts
Doch im Sprüchlein leben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Text: Otto Ernst
Musik: auf die Melodie von Mihi est propositum… (O Tannenbaum)
in: Siebzig Gedichte, S. 107-108, 1907

Geschichte dieses Liedes:


Liederthema:
Liederzeit: (1900)

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