Deckt mir überreich den Tisch

Volkslieder » Trinklieder »

Deckt mir überreich den Tisch
Für die lieben Gäste
Aber aus dem Keller holt
Mir das Allerbeste
Dass sie lächelnd sich gestehn
Wenn sie heimwärts schweben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Wonnig lacht mir deutscher Wein
Wonniger das Leuchten
Wenn der Zecher Augen sich
In Entzückung feuchten
Ist ihr stammelnd Zeugnis doch
Feinste Frucht der Reben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Unser Dichten, unser Tun
Richten Pharisäer
Rückt indessen um den Tisch
Näher nur und näher
Will nun mit erhöhter Kraft
Nach dem Ruhme streben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Mag euch nun der Misanthrop
„Tafelfreunde“ schelten
O, ich weiß: ihr werdet einst
Was ich gab, vergelten
Klagend wird’s an meiner Gruft
Euer Herz durchbeben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Und in meiner sichern Truh
Werd‘ ich leise lachen
Weil Freund Hein es nicht geglückt
Ganz mich tot zu machen
Wird ein Tropfen meines Bluts
Doch im Sprüchlein leben
Edlen Wein hat er geschenkt
Und ihn gern gegeben

Text: Otto Ernst
Musik: auf die Melodie von Mihi est propositum… (O Tannenbaum)
in: Siebzig Gedichte, S. 107-108, 1907

Liederthema:
Liederzeit: vor 1900 : Zeitraum:
Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen: Das heute nahezu auf der ganzen Welt bekannte Weihnachtslied „O Tannenbaum“ war mit einem völlig anderen Text ursprünglich ein studentisches Sauflied, was man ihm in manchen Parodien und Interpretationen auch noch anmerkt: Grüß Gott dir Bruder Straubinger“ und weiter „Das Bier ist gut geraten“.  Erst als die Sitte, den Tannenbaum als Weihnachtsbaum zu schmücken sich  gegen Ende des 18. Jahrhunderts  in ganz Deutschland verbreitete, konnte die Melodie umgedichtet und als Weihnachtslied populär werden. Die Melodie von „O Tannenbaum“ wurde vermutlich über deutsche Auswanderer die Hymne vier amerikanischer Bundesstaaten und... weiter lesen