Bremer Stadtmusikanten

Sturmtrupp Alarm

| 1930

Der „Sturmtrupp Alarm“ bestand aus dem Kern der „Rote Raketen“ und einigen neuen Truppenmitgliedern. Im Sommer 1929 spielten sie bereits wieder mit ihrem schlagkräftigen Programm im Auftrag der KPD für den „Kampfbund gegen d. RFB-Verbot“, dann für die „Rote Hilfe“. Es gab Veranstaltungen an Ruhr und Rhein. Die Arbeiter gingen mit, wenn die Szenen zündeten. Die Polizei auch. Oft brüllte sie ihr „Die Versammlung ist aufgelöst“ in den Saal. Zum Protest erklang die Internationale, die Polizeiknüppel schlugen den Takt dazu. Zeitungen schrieben: „Alarm“? — das sind doch die verbotenen „Roten Raketen“!

Polizei setzte ein. Und von der Bühne herunter erklang es: „Herr Polizeipräsident! Sie haben gepennt! Daß ‚Alarm die ,Roten Raketen` gewesen, das konnten Sie auch in der Zeitung lesen!“ Und dann hieß es: „Wir spielen weiter! Wir werben und wecken! Und Sie, Herr Polizeipräsident, Sie können uns mal“

Das tat er nicht, aber: Verbot öffentlicher Veranstaltungen. „Alarm. spielte in „geschlossenen« Mitgliederversammlungen. Verbot, Einladung nach der Schweiz, für den „Arbeiterschutzbund“ und andere Massenorganisationen zu spielen. Dort erreichte „Alarm“ die Nachricht, auf Einladung der „MOPR“, der „Internationalen Roten Hilfe“, in die Sowjetunion zu kommen. Veranstaltungen von Schneidemühl bis Insterburg. Zwischenspiel in Kreuz: Gotteslästerungsprozeß wegen „Jehova“ in der „Götterdämmerung“.

Durch Litauen, Lettland in die SU. Spiele von Minsk bis Magnitogorsk, von Kronstadt bis zur Krim. Auch hier saß Polizei dabei: Rote Milizionäre. Sie klatschten begeistert Beifall. Rückkehr nach Deutschland, Auflösung, Arbeit für die Partei … bis der Henker Hitler kam, vor dem die „Roten Raketen“ und „Sturmtrupp Alarm“ immer wieder kämpferisch gemahnt hatten.

Willi Karsch und Icki Jensen

mp3 anhören CD buch







Sturmtrupp Alarm im Archiv:

Rote Raketen

Die „Roten Raketen“ entstanden im Herbst 1927. Anstoß für ihr Wirken war ein bunter Abend, ein Pressefest der „Roten Fahne“, des Zentralorgans der KPD. Das Programm hätte einheitlicher, aktueller, spritziger sein können, fanden sie. „Macht es,“ sagte die „Rote Fahne“. Sie versuchten es. Sechs Berliner Jungs waren sie, teils Arbeiterkorrespondenten, teils Genossen des Kommunistischen Jugendverbandes. […]

Agitprop-Truppen

Zwischen 1926 und 1930 entstanden etwa 200 Agitprop-Truppen, zum Teil auch für Schüler und kleinere Kinder, um die Bevölkerung und insbesondere die Arbeiter für den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und für den Sozialismus zu begeistern: „Die Nieter“ (Hamburg) „Proletarische Kulturvereinigung“ (Halle) „Rote Agitatoren“ (Halle) „Rote Schmiede“ (Halle) „Rote Truppe“ (Frankfurt/M.) Kindertruppe „Rote Kolonne“ (Frankfurt/M.) „Rote Reporter“ (Bremen) […]

Mehr zu Sturmtrupp Alarm