Liederlexikon: Papa Neu

| 1970

Papa Neu ( 1858-1931): Louis Pinck schreibt im 3. Band von Verklingende Weisen ( Volkslieder aus Lothringen , 1933 , S. 277): „Von ihm hörte ich im Winter 1929. Er war früher Chantre in Althorn bei Bitsch , siedelte aber 1903 besseren Lohns qwegen mit seiner zahlreichen Familie aus der heimischen Glasindustrie in die Eisenindistrie nach Pompey bei Nancy über. Dort bildete er mitten in seiner Umgebung und Familie förmlich eine Sprachinsel . Alles um ihn sprach französisch , er allein blieb seiner Muttersprache treu. Ein Schatz aus der Heimat waren ihm seine Volkslieder; sie vertrieben ihm die Zeit und er sang sie immer wieder, wenn stilles Heimweh ihn beschlich. So saß er an einem Allerheiligen-Abend in Pompey mit einem Landsmann in einer Wirtschaft. Sie sprachen wenig miteinander, dachten aber umso mehr an die Gräber ihrer Lieben in der heimat und fingen auf einmal zu singen an. Niemand verstand sie, aber alle lauschten dem Liede, das Papa Neu später für mich niederschrieb.  [ Es handelte sich um das Lied von der armen Seele ]
Mittlerweile hatte die Frau des anderen Sangers gehört, daß die beiden in der Wirtschaft sitzen und singen. Gleich war sie auch schon da und fuhr ihn an: „Est-ee que ee n´est pas honteux de chanter meme le jour des morts!“ Er aber gab schlagfertig zurück: ,,Mais moi je ne suis pas mort“, — und sie sangen ungestört ihre schönen alten Weisen zu Ende. Um Näheres über Papa Neu und seine Lieder zu erfahren, schrieb ich dem mir bekannten Saargemünder Studenten H. Hiegel, der an der Nancyer Universität bei Parisot Lothringische Geschichte hörte, er möge sich doch bald einmal nach Pompey begeben, wo Papa Neu neben der Kirche wohne, und und sich nach ihm und seinen Liedern erkundigen. Kurz darauf erhielt ich durch Herrn Hiegel Bescheid über die außerordentlich freundliche Aufnahme, die er bei Papa Neu gefunden hatte, und von der reichen Liederernte, die da in Aussicht stand. Einige Wochen später besuchte mich der für das lothringische Volkslied interessierte Frankfurter Student M. Ittenbach, um weiteres Material für seine Doktorthese „Mehrgesetzlichkeit, Studien am deutschen Volkslied in Lothringen“ zu sammeln. Ich bat ihn, Papa Neu zur Feststellung seiner Volkslieder in Pompey auf-suchen zu wollen. Mit einer ganzen Reihe von Liedanfängen kam er zurück, sowie mit der Nachricht, Papa Neu wolle mir die Lieder gerne aufschreiben und zuschicken. Bald hatte ich zwanzig solcher Lieder. Ich brauchte nur das eine oder andere zu verlangen – gleich war es da.
Zur Melodieaufnahme der wertvollsten dieser Lieder fuhr ich am 28. Juli 1930 mit meinem Phonographen auf dem kürzesten Weg nach Pompey. Bei Oriocourt begegnete ich einem befreundeten Geistlichen, der, als ich ihm sagte, ich führe nach Pompey deutsche Volkslieder holen, lachend erwiderte: „Alors on ne peut pourtant pas dire que vous les cherchez en Allemagne.“
Nach zwei Stunden war ich an der Kriegszone (1914—1918) vorbei in Pompey und fand Papa Neu an der Meurthe beim Grasen für seine Ziegen. Wir waren beide froh uns zu treffen; kannte er doch als Landsmann meinen Vater. Auch wollte er möglichst viel über seine Bekannten in der Heimat erfahren. Er stellte mir Frau, Kinder, und Enkel vor, von denen er ganz besonders den jüngsten ins Herz geschlossen hatte „Dies isch e scharmanter, gscheiter Kerl. Der versteht grad alles was ich sa, wann er a nit redde kann wie ich.“
Zur ungestörten Aufnahme der Volkslieder gingen wir beide in ein Zimmer, der Phonograph wurde aufgestellt und Papa Neu sang nun stolz seine Lieder auf die Walze. Als der Apparat die Lieder wiedergab, da war des Staunens kein Ende. Frau und Kinder, alle wurden herbeigerufen und alle bestaunten das Wunderding, aus dem Vaters Stimme so treulich wiederklang. Alle Lieder, die er wußte, konnte ich jedoch nicht aufnehmen. Er wurde allmählich müde und mir fehlte die Zeit. Mit jedem Volksliedsänger müßte man längere Zeit gemütlich zusammensein können, um die Lieder so aufzunehmen, wie die Stunde sie ihm eingibt und der Gegenstand der Unterhaltung ihn dazu anregt. Zuhause mußte ich jedoch feststellen, daß ich noch das eine oder andere Lied hätte aufnehmen müssen.




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