Bremer Stadtmusikanten

Onkel Knolle

Bilderbuch voller Vorurteile 1910-19160

| 1910

„Onkel Knolle“ erschien in erster Auflage 1910 in Donauwörth in Bayern. Geschrieben hat den Text Georg Dennler und die Zeichnung stammen von Pommerhanz. Die 2. Auflage erschien im letzten Kriegsjahr 1918 im Verlag von H. Mühlberger, Augsburg.
Die elfte Auflage erschien eben dort 1952!

Es handelt sich um ein Werk aus dem Bereich „Schwarze Pädagogik“. Das Buch enthält sechs Geschichten für Kinder, darunter „Die Zigeunerfrieda“.

Inhalt: Vorwort – Die verhängnisvolle Tabakspfeife – Die Geisterjungen – Die Schulschwänzer – Der verstohlene Heinrich – Bärbel, das Naschmaul – Die Zigeunerfrieda – Schlußwort.

Der Historiker Kurt Holl weist in der vom Kölner Verein Rom e.V. herausgegebenen Dokumentation zu der „Zigeunerfrieda“ darauf hin, daß es in diesem Buch besonders um Arbeitsdisziplin und die Eliminierung der Bettler, Vagabunden, Landstreicher, Diebe und Tagediebe geht, „wie es Marx im 24. Kapitel des Kapitals (Bd.I) eindringlich beschrieben hat. Der Durchsetzung der Arbeitsdisziplin mit Peitschen, Galgen und Arbeitshäusern entspricht ein Prozeß der Internalisierung, der die neue Moral zunächst über religiöse Erziehung, später über bürgerliche Pädagogik (Aufklärung) in Hirne, Herzen und Leib einbrennt.

Ein gängiger Topos der entstehenden bürgerlichen Kinderbuchliteratur wird die Warnung vor den gefährlichen Zigeunern, die fast schon zur systematischen Gegenwelt bürgerlichen Lebens stilisiert werden, wo Seßhaftigkeit gleichbedeutend mit der Einbindung in den territorialen Nationalstaat ist.

[… ] und es ist nicht verwunderlich, daß sich der Autor offenbar die erwünschte Bravheit der Kinder am besten als Einordnung in eine vormilitärische Schützentruppe vorstellen kann, die hinter einem Generalissimus im Gleichschritt marschiert. Durch Zitat des Vorworts und des Schlußwortes für die 6 Geschichten wird der Kontext deutlich, in dem „Die Zigeunerfrieda“, einzuordnen ist. Daß die Kinderbuchliteratur im Wilhelminismus nationalistische bzw. militaristische Züge bekommt, ist bekannt.“

Vorwort: Onkel Knolle

Onkel Knolle seht ihr hier , wie er lebt auf dem Papier
nämlich er hat spät und frühe mit den Kindern große Mühe
ist für sie zu jeder Zeit sich zu opfern gern bereit
selber sollt ihr bald es sehen wie es Knollen oft tat gehen
wie er immer kam dahinter daß die bitterbösen Kinder
nicht so sind, wie er es möchte und er nie es fertig brächte
daß sie alle brav und fein ihre Eltern stets erfreun
Dieses Buch ihr lieben Kinder zeigt euch manchen großen Sünder…

Kurz und gut jetzt bin ich da, nehmt mich auf und mit „Hurra!“
will ich euch im Sturm gewinnen – Eher geh ich nicht von hinnen
habt ihr dann mein Buch gelesen, und wenn es recht schön gewesen
denket dann auch hie und da, seht er ist uns immer nah
Nämlich unser Onkel Knolle, der uns oft erzählen wolle

Schlußwort

Seht ihr nun wohin es kommt
wenn schon gar kein Rat mehr frommt
wenn die Eltern stets mit Bangen
sehn die ungezog´nen Rangen

Balgen Naschen Stehlen Schrein
so was ist doch gar nicht fein
schöner ist es, wenn mit Art
sich ein Kind den Frohsinn wahrt

Wie ich Euch jetzt gern berichte
eine schönere Geschichte
wo die Kinder groß und klein
artig sich beim Spiele freu´n

Sehr nur hier, wie auf dem Bilde
schneidig eine Schützengilde
aufmarschiert fidel und froh
vorn der Generalissimo

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Onkel Knolle im Archiv:

Die Zigeunerfrieda

„Die Zigeunerfrieda ist eine von sechs finsteren Erziehungs-Geschichten aus dem Kinderbuch „Onkel Knolle“, das im Stile des Struwelpeter die Streiche bzw. Laster böser Buben oder Mädchen erzählt, deren schlimmes Ende die kleinen Leserinnen zur Bravheit motivieren soll, dabei aber womöglich genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie bewirken soll. Neu herausgegeben wurde diese Mär […]

Die Zigeunerfrieda

Ach ein schlimmer Zug der Zeit ist die Unverträglichkeit die nur keift, wenn andere lachen und sich mal gemütlich machen Die des Lebens finstere Seite eifrig sucht mit großer Freude die mit Willen im Verdruß findet einen Hochgenuß Solche Leute sind zu meiden denn ihr Lebenszweck ist Streiten und das Ende gant gewiß führt zu […]

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