Liederlexikon: Eiche

| 1908

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Die Eiche galt bei den alten Germanen — ein indogermanisches Erbteil — als ein männlicher Baum. Schon bei den Griechen war sie dem obersten Himmelsgotte geweiht, den sie zu Dodona in einer Eiche verehrten. Bei den Römern war die Eiche dem Jupiter heilig, ihre Frucht, die Eichel, hieß Jovis glans = juglans (später für die Walnuß gebraucht). Bei den Germanen war sie dem Wodan und dem Donar geweiht. Als einer der ältesten Fruchtbäume stand sie in altem, hohem Ansehen.

Als Dorfmaienbaum, bewohnt von dem befruchtenden, zeugenden Dämon, ist sie bei den Elbwenden zu Mariä Himmelfahrt (2. Juli) in Brauch. Sie errichten auf einem runden Hügel die zwanzig Ellen hohe Eiche, um die alles Volk tanzte; jede junge Frau, die aus einem andern Orte eingeheiratet hatte, mußte den Tanz um den Kreuzbaum tun, also dem einheimischen Lebensdämon ihre Huldigung darbringen. — Zu Questenberg im Harz wird nm dritten Pfingsttag eine Eiche als Maienbaum feierlich mit dem Questenkranz geschmückt.

Aus der Eichbaumverehrung fand man mehrere Heilmittel auch in sexuellen Leiden. Die Gerbsäure des Holzes, der Blätter, der Blüten benutzte man, um allzustarke Regeln zu hemmen. So rät Mattioli, Eichenlaub in Wasser zu sieden und damit sich zu bähen, ebenso die Eicheln zu Pulver zu stoßen und zu trinken. Eichenlaub, in kleinen Säckchen um den Leib gehangen, soll für die „aufsteigende Gebärmutter” helfen. Die brüchigen Männer, die als impotent galten, gebrauchten die gemahlenen Eichäpfel (Galläpfel) im Mai als Aphrodisiacum.

Die Frucht des Eichbaums, die Eichel, vergleicht man seit alters mit dem oberen Teil des männlichen Zeugungsgliedes, der Kelchnapf der Frucht entspricht in diesem Bilde dem Wulst der männlichen Vorhaut. Schon bei Celsius VII 25, 1 findet sich diese Bedeutung. —

Eine dunkle Anspielung auf die „Eichel” liegt vielleicht in dem Volksglauben: wenn die Eicheln von Maden durchbohrt sind (als wie von einer Röhre des Samens) folgt ein glückliches Jahr mit vielen Hochzeiten (Posen). Oder vertritt hier die Eichel allgemein die „Frucht”, die von der Made, dem Penis, durchbohrt wird, wie es bei der Walnuß der Fall ist: regnet es am Johannistage, so werden die Nüsse wurmig und viele Mädchen schwanger (siehe Walnuß). -Eichenlaub ist die Hutzier des ledigen Burschen. —

in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)


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"Eiche" im Archiv:

Wlasta (Valaska) . Ende des Matriarchats in Böhmen

Unter Libussa’s Frauenzimmern aber war eine Jungfrau, mit Namen Wlasta (etliche nennen sie Valaska). Dieselbe hatte einen hohen Geist, war eine rechte Mannin und konnte dazu wahrsagen. Derselben hatte Libussa ihre anderen Frauenzimmer auf ihrem Todbette, samt dem Schlosse Libus, befohlen. Als sie aber das Schloß in ihre Verwahrung genommen, dachte sie höher zu steigen und mehr Gewalt zu überkommen.

Libussa und Primislaus (Libuše und Přemysl)

Als Krokkus, der zweite heidnische Fürst der Böhmen, starb, hinterließ er keinen männlichen Erben, sondern drei Töchter, welche Zauberinnen und Wahrsagerinnen waren. Die älteste hieß Bela, oder, wie einige schreiben, Brela, welche das Schloß Brelum erbauet, die andere Tetcha oder Techa (auch Therba und Therbiza von einigen genannt), die jüngste aber Libussa. Tetcha soll noch das Schloß Thetin oder Diewin

Das Roß des Horymirz (Gold und Silber gegen Brot)

Etliche aus dem Volke kamen 846 zu dem Herzoge Krzesomysl und hielten ihm den großen Mangel des Brotes vor, welcher in diesem Lande von nirgends anders, als von den Bergleuten, die den Ackerbau verlassen, herkomme. Sie baten den Herzog, er wolle alle Bergleute von dieser Arbeit, und besonders um Przibram, die Eule, Pisak und Schittenhof, abzustehen befehlen. Der Herzog hörte