Jubileus ist uns verkündet (Der Städtekrieg)

Fehde des Brandenburger Markgrafen Albrecht gegen Nürnberg

Volkslieder » Balladen

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Jubileus ist uns verkündt
Wir sollen tilgen unsre Sünd
Das hat der Bös vernommen
Falschen Samen hat er gesät
Der Seelen Heil ganz hin geweht
Ablaß ist unterkommen

Den Städten hat er Hochfart gebn
Wie sie dem Adel widerstrebn
Und den gänzlich vertreiben
Wider Gott ohn alles Recht
Auch damit geistlichs Geschlecht
Sie Uesens wol betreiben

Sie bdunkt, es sei nit ihr gleich
Und nennen sich das römisch Reich
Nur sind sie doch nur Bauren
Sie stant mit Ehren hinter der Tür
So die Fürsten gant Herfür
Die Land und Leut beschauren

Küning Sigmund was der Sinn beraubt
Da er Trummet und Pfeifen erlaubt
Den Städten so gemeine
Das hat ihn‘ bracht groß Übermut
Es ghört nach rechter Gwonheit gut
Den Fürsten zu alleine.

Ob sie nun tragen mädrin Gewand
Darum ist nicht ihr alles Land,
als sie sich lant bedunken
Es stund viel baß vor alter Zeit
Do füchsin was ihr bestes Kleid
Und ihn‘ die Stiefel stunken.

Ihr‘ Weiber sind mit Pech beschnitten
Gezieret wohl nach adelm Sitten
Wer kann sie unterscheiden?
Den Adel tanzen sie gemein
Und sind geistlicher Überpein:
Es möcht ihn‘ bringen Leide

Wie sie die Klöster hant zerbrochen
Und (sich) an Gott mit Feuer gerochen
Ist leider offenbare
Gottesdienst hant sie gewendt
Und manige Kirche ausgebrennt
Den Heiligen sinds Gefahre

Sie haben unverdroßen
Mit Büchsen groß geschossen
Die Gottshäuser zerrüttet
Darin Gott selber Wächter was
Das Sakrament auch nit genas
Schändlich wards ausgeschüttet

Nun merk ein jeglich Christenmann
Was Grunds die Städt im Glauben han
So sie Gott selbs bekriegen
Doch sind sie so wol bekannt
Besunder in der Behem Land
Die thunt sie zwar betriegen

Den Fürsten gat’s zu Herzen
Sölch Unthat bringt ihn Schmerzen
Und wöllen das nit leiden
Sie strafen sie an Leib und Gut
Und müssen ihren Übermut
Vielleicht hinfür vermeiden

Bischof von Menz, ein geistlich Herr
Den zwingt darzu fein Treu und Ehr
Daß er beistand dem Glauben
Babenberg, Aistett dergleichen thut
Und sparen weder Leib noch Gut
Wider sie, die Gotts Dienst rauben.

Markgraf Alb recht veredelst Fürst
Den je nach Ehren hat gedürst
Der will den Adel retten
Nürenberg erkennet das
Daß er ihn was und ist gehaß
Sie hant verschlafen die Metten

Er hat gemacht manch Freudenfeur
All Lust ist ihm geworden theur
Den selbigen Acker»trappen
Etwann was ihr gemeins Geschrei:
Woluf, mit mir zum Malvensei!
Nun lernens Wasser läppen.“

Es ist nit: „Sebald ruth den Tisch
Und trug herzu Wildbret und Fisch
Das Rephuhn bring am ersten!“
Der Markgraf ist ein Arzat weis.
Verbeut ihn‘ alle köstlich Speis
Erlaubt ihn Mus und Gersten.

Augsburg hat einen weisen Rath,
Das prüft man an ihr kecken That
Mit Singen dichten und Klaffen
Sie hänt gemacht ein Singschul
Und setzen oben auf den Stuhl
Wer übel redt von Pfaffen.

Sie sind gen Feinden nicht als saur
Als da sie unser Frauen Maur
Mit Gott darnieder fällten
Sie streiten kecklich mit der Zungen
Wer an sie faßt mit blutigen Lungen
Ihr keiner ließ sich behalten.

Wirtemberg, das edel Blut
Verdrießt der Ulmer Übermuth
Er will sie visitiren
Sie sollen fürbaß Wollsäck binden
Gott wöll, daß sie mit ihren Kinden
Land und Leut verlieren!

Und soll der Krieg noch länger währen.
So werden zwar der Stangen geren.
Die Städt an allen Enden.
Es gat ihn, als sie han verschuldt.
Die Gmeind hat billig Ungeduld
So Glück sich nit will wenden.

Glücke, bestand dem Adel bei!
Verbeut den Bauren ihr Geschrei!
Wünsch ich von ganzem Herzen.
Daß sie sich vor dem Adel schmiegen.
Und nicht gewinnen an den Kriegen
Dann Reue Leid und Schmerzen.

Text: Verfasser unbekannt
Aus dem Liederbuch der Clara Größlerin, zu Augsburg 1470 geschr. daher von Soltau, hist. Lieder Nr. 25; von Lil. 90; Uhl. 166; Kurz, Litt. Gesch. I, 619. Hier in neuer Schreibung und mit Entfernung des mundartlich ai für ei.
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 237 „Der Städtekrieg oder Markgrafenkrieg, 1450)

Liederthema:
Liederzeit: (1450)
Region:

Anmerkungen zu "Jubileus ist uns verkündet (Der Städtekrieg)"

Worterklärungen:

  • 1.1 Jubileus, das Jubeljahr 1450 war verkündigt.
  • I, 6 unterkommen, unterblieben, abbestellt.
  • 3, 4 stant für stahent, stehen: gant — gehen.
  • 5, 1 Mädrin Gewand (Marderpelz)
  • 5, 5 Füchsin, von Fuchsfell nur ihr Kleid
  • 6, l mit Bech beschnitten, mit buntem Pelzwerk beileidet
  • 6, 5 genesen, unversehrt sein.
  • 9, 6 zwar betriegen, in Wahrheit betrügen.
  • 11.1 Menz, Mainz ; Babenberg, Bamberg; Aistett, Eichstätt.
  • 12, 5 daß er ihnen war und ist qehäßig.
  • 13. 4 etwann, einst, sonst.
  • I3, 5 Malvasier. süßer Wein.
  • 14. 4 Sebald, rath (berath, decke) den Tisch.
  • 14, 4 Arzat, Arzt.
  • IS. S niederfällen, niederwerfen.
  • 18, I zwar, fürwahr, zu wahr; — der Stangen geren (begehrcn) — sich überwunden geben.
  • 19, I bestan. bestehen, beistehen, entgegenkommen.
  • 19, 5 nicht, nichts.

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