Rübezahl verwandelt sich in einen Botenspieß


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Es soll einmal ein Bote den Rübezahl geschabernackt haben, welcher sich auf folgende Art gerächt und seine Scharte ausgewetzt hat. Wie dieser Bote auf dem Gebirge in eine Herberge eingekehrt gewesen und seinen Spieß hinter die Tür gesetzt gehabt, siehe, da soll der schnakische Geist denselben Spieß weggebracht und sich in einen gleichen verwandelt haben. Wie nun der Bote, nach geschehener Ausruhung, abgereiset und seinen Spieß hervorgesucht hat, auch damit auf dem Wege gewesen ist, gleitet er etlichemale aus, so daß er oftmals vorwärts in den schlimmsten Schmutz fällt und sich gar arg besudelt.

Ja, also oft war es geschehen, daß der Kerl seinem Leibe keinen Rat wußte, wie er mit seinem Spieße daran wäre, warum er so ausgleitete oder in der Erde nicht haften wollte. Er besieht ihn in die Quere und Länge, bald unten, bald oben, und findet keine gesuchte Veränderung. Er geht darüber mittlerweile ein wenig weiter fort, pardautz liegt er abermals im Moraste und schreit ach und weh über seinen Spieß, daß er ihn so verließe und keine Hülfe gäbe.

Doch richtet er sich aufs neue empor und kehrt den Spieß um, auf die andere Spitze. Wie dies geschehen, da fällt er alle mal rücklings in den tiefsten Schmutz und hatte er sich vorher vorne beschmutzt, so beschmutzt er sich noch ärger nunmehr hinterwärts und sieht aus wie ein leibhaftiger Misthammel, der dem Henker aus der Bleiche entlaufen.

Darauf nimmt der alberne Schöps seinen Spieß auf den Nacken, wie ein Pikenier, weil er so auf der Erden kein Gutes tun wollen und geht also wie ein rechter Finkenritter daher. Doch läßt der spießbare Rübezahl dennoch seine Hudelei nicht, sondern drücket den Boten, als wenn er etliche doppelte Haken trüge und dannenhero von einer Schulter zur andern die verspürte Last hebt, bis er endlich, aus Unleidigkeit, den ungearteten Spieß in des bösen Feindes Namen wegwirft und bloß davon geht.

Aber, wie er etwa eine Viertelmeile also unbespiest gereiset und sich ungefähr einmal umschaut, siehe, da liegt sein Spieß bei ihm, darüber er sehr erschrickt und nicht weiß, wie er daran ist. Er faßt dennoch endlich getrost zu, hebet den Spieß auf und weiß nicht, wie er sich ferner damit gebärden soll. Daß er ihn an die Erde setzet, dazu hat er keine Lust mehr, daß er ihn auf den Buckel fassete, trug er einen Abscheu, drum nahm er ihn in die Hand, also, daß er ihn mit der Erde gleichlaufend trug.

Aber, siehe von neuem, da wird ihm derselben Seite Fuß so schwer, daß er ihn nicht aus der Stelle zu bewegen vermochte, und wiewohl er umwechselte aus einer Hand in die andere, so wollte es doch nicht anders werden, sondern blieb bei der alten Geige. Drauf nahm er es noch auf eine andere Weise mit seinem Spieße vor, nämlich er ritt darauf, wie ein Kind auf einem Stecken und auf diesen Schlag ging es von statten, wie wenn es geschmiert wäre, nämlich er kam eilends fort, fühlete keine Müdigkeit und däuchte ihm nicht anders, als wenn er ein schnelles Roß unter sich hätte. Er ritt aber ohne Aufhören immer also fort, bis er vom Gebirge in ein Städtlein kam und den Bürgern ein sonderliches Gelächter erregte.

Hatte dieser Bote nun also vorher wacker leiden müssen, so war er dennoch wieder zuletzt erquickt worden und getröstete sich nunmehr eben derselben Erquickung in den andern bevorstehenden Reisen, da er allemal auf seinem Spieß zu reiten gesonnen war. Aber vergeblich; denn der Rübezahl hatte seinen Beruf vollendet und seine Lust mit dem Narren gebüßet, darum er sich aus den Staube machte und den wahrhaften Spieß unvermerkt wieder zu Wege brachte, welcher keine Possen mehr machte, sondern auf die alte Manier, wie ein anderer Spieß, sich mit seinem Herrn verhielt.



Liederthema: Allgemein
(1811)
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