Liederlexikon: Kolonne Links

| 2018

Wir wollten uns nicht mit Kunst beschäftigen. Wir wollten nicht ästhetische Befriedigung durch gepflegtes Theaterspiel erwecken. Auch wollten wir uns nicht Gefühlsduselei. hingeben, „Lönsen— Klönsen“ oder „Stimmung lutschen“, wie es k der „revolutionären“ Jugendbewegung der 20er Jahre modern war.

Viel prosaischer waren unsere Beweggründe, als wir jungen Arbeitersportler aus der Wandersparte des Sportvereins „Fichte“ in Berlin-Steglitz 1928 uns zusammenfanden, um die „Kolonne Links“ zu gründen. Wir überlegten, wie man besser, mit neueren Methoden für die Idee des Sozialismus, für die Arbeiterorganisationen, die den Kampf für den Sozialismus auf ihre Fahnen geschrieben hatten, werben könnte. Angeregt durch das Beispiel der sowjetischen „Blauen Blusen“, ausgerüstet mit zwei wichtigen Voraussetzungen:
– der Begeisterung für unseren Kampf (die damals größer war als unser Wissen)
– und viel Zeit (wir waren Berufsarbeitslose)
gingen wir ans Werk.

Jeder machte das, was er konnte. Einer schrieb Text; der andere machte Musik, der dritte baute Requisiten und Dekorationen, ein anderer organisierte die Proben, ein weiterer die Veranstaltungen, und schon startete die neugebackene „Kolonne Links“ ihrem Heimatbezirk Berlin-Steglitz. Lieder, kleine Szenen wurden aufgeführt. Erst zaghaft, dann mit mehr Mut und Schwung, und der Erfolg in den Veranstaltungen der Arbeiter blieb nicht aus.

Vom Heimatbezirk Berlin-Steglitz verbreitete sich das Auftrittsgebiet der „Kolonne Links“ über ganz Berlin. Wir erarbeiteten uns ein Repertoire mit starker Werbekraft. Schon Ende 1929 begannen wir, für die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) in ganz Deutschland zu spielen —  zu werben.

Der Erfolg — 18 000 Mitglieder warben wir in 1 1/2  Jahren für die IAH, für die Rote Hilfe, für die KPD.
Für diese ausgezeichnete Werbearbeit wurde die „Kolonne Links“ mit einer Gastspielreise in die Sowjetunion prämiiert.  Nach der Rüdckehr erfolgten Verbot und Emigration in die Sowjetunion. In Moskau schufen wir das „Deusche Theater der Arbeiterjugend Kolonne Links“ (Tram), und auch hier setzte die „Kolonne Links“ ihre Agitationsarbeit — nur an anderer Front — fort.

Wir spielten vor den zahlreichen Kollektiven der ausländischen Spezialisten, die der jungen Sowjetrepublik beim Aufbau ihrer Industrie halfen. Wir halfen ihnen, ihre Schwierigkeiten zu überwinden, ermutigten die, die im Kampf mit dem Faschismus sich bewährt hatten, aber an der für sie neuen Aufbaufront oft an Kleinigkeiten scheiterten, und geißelten mit bissiger Satire alle, die nicht verstehen wollten, daß auch „weit hinter der Front“, beim Aufbau des Sozialismus der Klassenkampf tobt, verspotteten die Kleingläubigen, die Versager. Später vereinigte sich die „Kolonne Links“ mit einem Teil der „Truppe 1931″ und einigen Genoss. des „Roten Sprachrohr“ zum Deutschen Kolchostheater Dnjepopetrowsk.

Helmut Damerius

 

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