Strophe: Meine Oma hat im Backenzahn ein Radio

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Meine Oma hat im Backenzahn ein Radio
ein Radio ein Radio
Meine Oma hat im Backenzahn ein Radio
meine Oma ist ne ganz patente Frau

Strophe zu: Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad

Die Backenzahn-Radio-Strophe hat möglicherweise einen historischen Bezug zur Frühgeschichte des deutschen Rundfunks. Zumindest erinnerte sich eine Gewährsperson im Zusammenhang mit diesem Lied daran, dass in seiner Studienzeit (1965–1968) an der Fachhochschule für Nachrichten- und Funktechnik in Berlin im Unterricht wie auch in Fachzeitschriften eine kuriose Geschichte (um 1925) aus den Anfängen der Rundfunkgeschichte die Runde machte:

„Die ersten Sendemasten des deutschen Rundfunks in Berlin befanden sich über den Schrebergärten. Nun kam es vor, dass Menschen über ihre Zähne Schallwellen des Radiosenders hören konnten. Das wurde technisch so erklärt: Hat eine Person eine Zahnfüllung mit z. B. Amalgam und im Nebenzahn befindet sich eine Goldkrone, ein Goldzahn oder auch eine Prothese, dann bildet sich bei der Berührung dieser zwei unterschiedlichen Metalle, unter dem Einfluss der Säurebildung im Speichel, ein sogenannter Demodulator.

Dieser Demodulator kann die Hochfrequenz der Radiowellen in Tonfrequenzen verwandeln. Bei sehr starker Sendeleistung direkt unterhalb der Sendemasten reicht die Energie aus, um das Metall im Zahn zum Schwingen zu bringen und der Kiefer wirkt als Resonator wie ein Lautsprecher. Die Person hört nun im Kopf die Schallwellen, die über die Knochen übertragen werden. Dieser Zustand ist nur zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten, bei Vorhandensein von bestimmten Randbedingungen erlebbar. Dadurch ist damals eine wissenschaftliche Nachprüfung nicht möglich gewesen.“

(DVA: A 233053; aufgezeichnet von Renate Sarr, September 2008)

Liederthema:
Liederzeit: vor 1925 : Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen:

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ ist ein aus verschiedenen Liedern nach und nach im Volksmund entstandenes Volkslied. Die Melodie ist der dritte Teil des Tanzschlagers  “Im Grunewald im Grunewald ist Holzauktion”, der um 1880 überaus populär war. Ursprünglich wurde ein anderer Text auf auf diese Melodie gesungen, nämlich:

„Der ganze Klafter Süßholz kost nen Taler
nen Taler, nen Taler
Der ganze Klafter Süßholz kost nen Taler
nen Taler kost´t er nur“

Auf dieses Lied von der Holzauktion im Grunewald entstanden bereits Parodien, wie z. B:

Beim Mondenschein da kamen alte Weiber
Für´n Taler, für´n Taler
Die mausten Holz wie echte rechte Räuber
Für´n Taler, Taler nur

Die Polizei kam leise wie auf Strümpfen
Für´n Taler, für´n Taler
Und arretierte, ach, die alten Nymphen
Für´n Taler, Taler nur.

Auch gab es schon früh Textvariationen, die den Baumboom der Gründerzeit und die Spekulanten im Villenstadtteil Berlin-Grunewald zum Thema hatten:

Im Grunewald im Grunewald ist Holzauktion
der größte Schreier ist der Cohn
er ist so kühn, weil unbeschrien
er hat viel Moos
doch mancher ward auch das schon los

In der Weimarer Republik wurden dann ein Schlager populär, der von einer Tante auf einem Motorrad handelte, jetzt entstanden erste Versionen von einer alten Frau auf einem Motorrad auf das alte Lied von der Holzauktion. Nicht erst in der Weltwirtschaftskrise 1929 wurde dann „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“ darauf gesungen, und so gibt es bis heute zahlreiche Strophen, die eine alte Frau mit neuen technischen Erfindungen in Verbindung bringen neben Strophen, die mehr die Armut thematisieren.  Das Lied ist bis in die heutige Zeit als Kinderlied überaus beliebt und wird immer wieder auch auf CD aufgenommen.

Die Bremer Gruppe Die Grenzgänger hat eine Version eingespielt, in der es einen Opa gibt, zu dem die Oma fährt, bis sie ihn am Ende aus dem Altersheim befreit.  Dieser Teil des Liedes geht dann auf eine Variation der Melodie.

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