Der Säumer

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Der Säumer zieht auf dunklem Pfad
Durchs Waldgebirge hin
Da kommt ihm wie von ungefähr
Sein Mädchen in den Sinn
„O wäre doch, du gutes Pferd
Was dich belastet, mein
Ich kaufte Böhmens Königskron
Und gäbs dem Mägdelein!“

Und wie mit leichtem Jugendmut
Er lenket heimatwärts
Da singt er manches frohe Lied
Und drückt die Hand aufs Herz
Ein seidnes Tüchlein birgt er dort
Gestickt mit rotem Gold
Es ist ein herrlich Angebind
Fürs Mädchen, fein und hold

Da fliegt ein Reiter von der Burg
„Du junger Säumerknab
Mir Sattel, Pferd und all dein Geld
Dir kalten Dolch und Grab!“
Der Säumer sinkt, ruft sterbend noch:
„All was ich hab, ist dein
Doch unterm Wams dies seidne Tuch
Bring meinem Mägdelein!“

Dem Ritter lässt dies Wort nicht Ruh
Nachschallts ihm aus dem Grab
Er sucht des Säumers arme Maid
Das Waldland auf und ab
Vergebens fragt er früh und spät
An hoch und niedrer Tür
Und wie er heimkommt, tritt so bleich
Sein Töchterlein herfür

„Was irrst du in der weiten Welt
Lässt mich allein zu Haus?
Was suchest du des Säumers Lieb? –
Gib mir das Tuch heraus!
Wie schmückt es schön die Totenbraut
Das Blut auf seidnem Schnee!
Ich suche mir den Bräutigam
Mein Vater, nun – ade!“

Text: Emerenz Meier (1874-1928)

 

Liederthema:
Liederzeit: vor 1900 :

Letzte Aktualisierung am 17.06.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API