Um das Rhinozeros zu sehn (Der arme Greis)

Um das Rhinozeros zu sehn(Erzählte mir mein Freund), beschloß ich auszugehn.Ich ging vors Tor mit meinem halben GuldenUnd vor mir ging ein reicher, reicher MannDer, seiner Miene nach, die eingelaufnen SchuldenNebst dem, was er damit die Messe durch gewannUnd was er, wenns ihm glücken sollteDurch den Gewinst nun noch gewinnen wollteIn schweren Ziffern übersann Herr Orgon ging vor mir. Ich

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Ein kluger Maler in Athen (Der Maler)

Ein kluger Maler in Athen,Der minder, weil man ihn bezahlte,Als weil er Ehre suchte, malte,Ließ einen Kenner einst den Mars im Bilde sehnUnd bat sich seine Meinung aus.Der Kenner sagt’ ihm frei heraus,Daß ihm das Bild nicht ganz gefallen wollte,Und daß es, um recht schön zu sein,Weit minder Kunst verraten sollte.Der Maler wandte vieles ein;Der Kenner stritt mit ihm aus

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Ismene hatte noch bei vielen andern Gaben (Die Widersprecherin)

Ismene hatte noch, bei vielen andern GabenAuch diese, daß sie widersprach.Man sagt es überhaupt den guten Weibern nach,Daß alle diese Tugend haben;Doch wenns auch tausendmal der ganze Weltkreis spricht:So halt ichs doch für ein Gedicht,Und sag es öffentlich, ich glaub es ewig nicht.Ich bin ja auch mit mancher Frau bekannt,Ich hab es oft versucht, und manche schön genannt,So häßlich sie

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Phylax der so manche Nacht

Phylax, der so manche NachtHaus und Hof getreu bewacht,Und oft ganzen DiebesbandenDurch sein Bellen widerstanden;Phylax, dem Lips Tullian,Der doch gut zu stehlen wußte,Selber zweimal weichen mußte;Diesen fiel ein Fieber an Alle Nachbarn gaben Rat.Krummholzöl und MithridatMußte sich der Hund bequemen,Wider Willen einzunehmen.Selbst des Nachbar Gastwirts Müh,Der vordem in fremden Landen,Als ein Doktor, ausgestanden,War vergebens bei dem Vieh. Kaum erscholl die

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Von ungefähr muss einen Blinden (Der Blinde und der Lahme)

Von ungefähr muss einen BlindenEin Lahmer auf der Straße finden,Und jener hofft schon freudenvoll,Dass ihn der andre leiten soll “Dir”, spricht der Lahme, “beizustehn?Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;Doch scheint´s, dass du zu einer LastNoch sehr gesunde Schultern hast. Entschließe dich, mich fortzutragen,So will ich dir die Stege sagen:So wird dein starker Fuß mein Bein,Mein helles Auge deines sein.”

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Uns Kölsch dat kann nit sterve

Uns Kölsch, dat kann nit sterve,Et litt ze deef em Bloot,Dröm mööchten se´t verderve,Dröm han se Peck un WootGrad deshalb liehrt, Ihr WeechterDe Quös de kölsche Aat,Un hat för fremb Geleechter,Dat Spröchelche parat Uns Kölsch hät för uns Kölscheen eige Melodie,Un nor wä he gebore,versteiht sing Poesie,Su dröcklich un gemötlicheß keine andere Klaaf,un miehter Klang un Musikhät kei Kristall em

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Tier und Menschen schliefen feste (Katzenmusik)

Tier und Menschen schliefen feste,Selbst der Hausprophete schwieg,Als ein Schwärm geschwänzter GästeVon den nächsten Dächern stieg In dem Vorsaal eines ReichenStimmten sie ihr Liedchen anSo ein Lied, das Stein erweichenMenschen rasend machen kann. Hinz, des Murners SchwiegervaterSchlug den Takt erbärmlich schönUnd zwei abgelebte KaterQuälten sich, ihm beizustehn. Endlich tanzten alle Katzen,Poltern, lärmen, dass es kracht,Zischen, heulen, sprudeln, kratzen,Bis der Herr

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