Stortzenbecher und Goldecke Michael

Das Störtebekerlied um 1550


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  1. Stortzenbecher und Goldecke Michael
    die raubten beide auf gleichen Teil
    zu Wasser und nicht zu Lande
    bis daß es Gott von Himmel verdroß
    dess mußten sie leiden grosse Schande
  2. Sie zogen für den Heydnischen Soldan
    die Heyden wolten ein Wirtschaft han
    sein Tochter wollt er beraten
    Sie rissen und krischen wie zween wilde Bärn
    Hamburger Bier truncken sie gerne
  3. Störtzenbecher sprach sich all zu hand
    die Wester See ist mir wohl bekannt
    daß will ich uns wol holen
    Die Reichen Kauffleut von Hamburg
    sollen uns das Geloch bezohlen
  4. Sie lieffn Ostwart neben das Leick
    Hamburg Hamburg nun tu deinen Fleiß
    an uns kanstu nichts gewinnen
    Was wir auch bey dir wöllen thun
    das wöllen wir jetzt beginnen
  5. Und das erhört ein schneller Bot
    er war von einem klugen Rath
    kam gen Hamburg eingelaufen
    er fragt nach deß ältsten Burgermeisters Hauß
    den Rath fand er zuhauffen
  6. Mein liebe Herren all durch Gott
    nempt diese Red auff ohne spott
    die ich euch will verkünden
    Die Feindligen euch gar nahe hie bey
    sie liegen an wilden Hafen
  7. Die Feindligen euch für der Thür
    deß habt jhr Herren zewer kuhr
    Sie liegen da an dem Sande
    Laßt jr sie wider von hinnen ziehen
    deß habt jr Hamburger grosse Schande
  8. Der ältest Burgermeister sprach zu hand
    gut Gesell du bist vns vnbekannt
    wo bey sollen wir dir glauben
    Das solt jhr Edle Herren thun
    bey meinem Eyd vnd Trawen
  9. Ihr solt mich setzen auffs Castel
    so lang biß jhr ewer Feinde seht
    wol zu denselben stunden
    Spürt jr denn einig wancken an mir
    so senckt mich gar zu dem Grunde
  10. Die Edlen Herren von Hamburg
    giengen zu Segel wol mit der Flut
    hin nach dem newen Wercke
    vor Nebelkundten sie nichts sehen
    so dunckel waren die Wolcken
  11. Die Sonne brach durch
    die Wolcken wurden klar
    sie fuhren fort vnd kamen dar
    grossen Preiß wolten sie erwerben
    Störtzenbecher vnd Gödecke Michael
    die musten darumb sterben
  12. Sie hetten ein Hülck mit Wein genommen
    damit waren sie auff die Weyser kommen
    dem Kauffmann da zu leyde
    Sie wolten damit in Flandern reisen
    aber sie musten davon scheiden
  13. Hört auff jr Gesellen trincket nun nicht mehr
    dort lauffen drey Schiff in jenem See
    vns graußt für der Hamburger Knechte
    Kommen vns die Hamburger ans Bort
    mit jnen müssen wir fechten
  14. Sie brachten die Büchsen wol an die Bort
    zu allen schüssen giengen sie fort
    da hört man die Büchsen klingen
    Da sah man so manchen stolzen Held
    sein Leben zum ende bringen
  15. Sie schlugen sich drey Tag vnd auch drey Nacht
    Hamburg die war darauff bedacht
    wol zu denselbigen Stunden
    Das vns ist lang zuuor gesagt
    das haben wir jetzt befunden
  16. Die bunde Kuh auß Flandern kam
    wie bald sie das Gerücht vernam
    mit jren starcken Hörnern
    Sie gieng her braussen durch die wilde See
    den Hüllick wolten sie verstören
  17. Der Schiffer sprach zu dem Steurmann
    treib vmb das Ruder zum Sturmbott an
    so bleibt der Hülck bey dem Winde
    Wir wöllen jm lauffen sein Castel entzwey
    das soll er wol befinden
  18. Sie lieffen jm sein Vorcastel entzwey
    Trauwen sprach sich Gödecke Michael
    die zeit ist nun gekommen
    Daß wir müssen fechten vmb vnser beyder Leib
    es mag vns schaden oder frommen
  19. Störtzenbecher sprach sich all zu hand
    jhr Herren von Hamburg thut vns kein Gewalt
    wir wöllen euch das Gut aufgeben
    Wöllet jr vns stahn vor Leib vnd Gesund
    vnd fristen vnser junges Leben
  20. Nein sprach sich Simon von Vtrecht
    gebt euch gefangen all auff ein Recht
    vnndlasts euch nicht verdriessen
    Habt jr den Kauffleuten kein leyd gethan
    deß werd jr wol geniessen
  21. Da sie nun auf die Richtstatt kamen
    nit vilguts sie da vernamen
    sie sahen die Köpffe stecken
    Ihr Herren das sind vnser Mitcompan
    so sprach sich Störtzenbecker
  22. Sie wurden gen Hamburg in die Hafft gebracht
    sie sassen da nicht lenger denn ein Nacht
    wol zu den selben Stunden
    Ihr Tod ward also sehr beklagt
    von Weibern vnnd Jungfrawen
  23. Ihr Herrn von Hamburg wir bitten vmb ein Bitt
    die mag euch zwar auch schaden nicht
    vnd bringt euch auch kein Quade
    Daß wir mögen den Trorenberg hingahn
    in vnserm besten Gewade
  24. Die Herren von Hamburg theten jn die Ehr
    sie liessen jn Pfeiffen vnd Trummen vor gehn
    sie hetten es erkoren
    Weren sie wider in der Heydenschafft gewest
    sie hetten es lieber entboren
  25. Der Scharpffrichter hieß sich Rosenfeldt
    er hieb so manchen stolzen Held
    mit also frechem muthe
    Er stundt in seinen geschnürten Schuhen
    biß an die Enckel im Blute
  26. Hamburg Hamburg deß geb ich dir den preiß
    die See Räuber werden es nun weiß
    vmb deinet willen mussen sie sterben
    Deß magstu von Golt ein Krone tragen
    den preiß hastu erworben

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Die Legende von Störtebeker ist seit den 1550er Jahren in 26 Strophen überliefert. Eine Melodie dazu findet sich aber erst Anfang des 17. Jahrhunderts in dem Lauten- und Liederbuch des Rostocker Studenten und späteren Pastoren Petrus Fabricius. “Den bis jetzt ältesten Text gab Möhlmann a a O aus einem fliegenden Blatt um 1550”, Lied über Klaus Störtebeker, nach Deutsche historische Volkslieder (Soltau), 1856, 2. Band, Nr. 1


Liederthema: Balladen | Gefangenenlieder | Raub-Mord-Totschlag
Liederzeit: (1550)
Schlagwort: | - -

Anmerkungen zu "Stortzenbecher und Goldecke Michael"

  • 1 .1 Das Ambraser Liederbuch: Störtzenbecker, also eine andere Mischung von hochd und noch anders Canzler: Störtebecher, doch 19.1 Stürzebecher, Goldecke wohl nicht Druckfehler Ambraser Liederbuch; Gödeke, Möhlm Gödiche, Canzl Gödte
  • 1 2 Ambr Czl zu gl th auch der Schüttensam und seine Leute wagen es auf ainen gleichen tail der Beute Uhl 347 ziemlich dass ist bescheden del Uhl 537.538 Stortebeker und die Seinen hießen davon Likedeler
  • 2 2 Die Vitalienbrüder erstreckten ihre Züge bis Spanien ein maurischer Fürst wird hier gemeint sein
  • 2 3 berathen ausstatten verheiraten vgl Grimms Wörterb 1 1487
  • 2 4 von kreischen braucht Jung Stilling Leben das Prät kriesch Schmeller 2 395 gibt vom Mit telrhein das Part gekrischen Czl rissen und splissen Möhlm sie rissen sie spl Das Brem Wörterb hat 5 297 wreussen ringen balgen 3,507 een rechten riet un spliet einer der viel Kleider zerreißt ein toller Junge ritt Zank Schlägerei Vom Hochzeitfest profitieren die Räuber nach ihrer Weise oder meinte das reißen Possenreißen und die Räuber wären beim Sultan gern gesehene Gäste vergl 24 4
  • 3 2 Nordsee auch Scheible flieg Blätter S 12 die Wester See a 1607
  • 3 3 daß das H Bier
  • 4 1 Czl langst des Lick
  • 4 4 Czl bey ihr Ambr bey dir auch was auch ist das mhd swaz bei in feindl Sinn vgl Grimms Wb 1 1352 unchristlich bei einem handeln
  • 5 5 beisammen
  • 6 5 Czl an wilder Have
  • 7 1 Czl hart für
  • 7 2 Möhlm Ambr Czl zweyer kür Wahl zweier Dinge da ein zweites nicht bestimmt genannt wird gemeint jedoch
  • 7 4 misverstand wol der Herausg v 1599 habt das zu eurem Ermessen freilich des dann unpassend
  • 8 5 Ambr Trewen obiges ist mehr eine mitteld Form die auch nd sich findet der Herausg suchte die Reime zu bessern
  • 9 1 Czl Vorkastel des Schiffes thurmartiger Aufbau ebenso ein Hinterkastell das man ja im Scherz am menschl Körper beibehalten hat
  • 10 4 Ambr von N alterthümlicher ebenso nicht
  • 10 5 Möhlm Czl schwercken das ist das origin Wort dunkle Wolkenmasse merkw auch in einem Nürnb Liederb v 1602 Hoffmann v F die D Gesellschaftslieder S 111 angels sveorcian alts suuercan verfinstern vgl Brem Wb 4 1132
  • 11 1 Czl die Schwercken brachen d
  • 12 2 Czl Weser Ambr wiesen Der Kampf war vielmehr bei Helgoland Gödeke ward bei diesem Kampfe noch nicht gefangen auf Weser und Ems war aber früher gegen sie gekämpft worden
  • 13 2 Ambr Czl jener
    13 4  Ambr die von Hamburg
  • 14 1 die Bort plur
  • 14 2 fortgehn unser jetz losgehn nicht ein Schuß versagte was in der Kindheit des Geschützwesens wol etwas Außerordentliches war
  • 15 2 Möhlm Czl Hamborg dir war ist ein böses bedacht gedacht dem Orig näher die Hamburger selbst reden
  • 16 1 das Schiff Simons von Utrecht
  • 16 2 Gerücht eig Gerüfte Geschrei hier im eig Sinn
  • 17 1 auf der bunten Kuh Czl Schipffer
  • 17 2 seltsamer Fehler Czl zur Stürbort Ambr sturbort Steuerbord
  • 17 3 Ambr winden
  • 19 3 das geraubte
  • 20 2 alle auf gleiches R näml das Recht der Seeräuber
  • 20 4 Ambr Hett jr schlechter dem Kauffman
  • 21 2 vernamen di bemerkten sahen s zu Nr 6 10 Zu mehrern Malen vorher waren schon Vitaliner auf dem Grasbrook hingerichtet worden die Köpfe blieben stecken auf Pfählen längs der Elbe
  • 22 1 Ambr hacht Möhlm Hechte Vgl die Theilnahme die Kniphof findet Nr 19 48 Bei seefahrenden Völkern galten häufig Seeräuber als Helden wie das auch Landräubern widerfahren ist in civilisierter Zeit In Smyrna wie Reisende erzählen hört man in der Griechenstadt im Hafen in Kaffeehäusern Lieder auf Seeräuber singen oft auf dieselben mit denen die türkische Polizei eben in Kriegszustand lebt
  • 23 2 Ambr nit wie meist
  • 23 3 5 sind im Druck verstellt 4.5 3 quad bös schlimm nd Ambr Trovenberg gewande Möhlmann trawren berg
  • 24 3 sichs erwählt ausgebeten
  • 24 5 dieser Ehre entboren Prät entbar die rechte alte Form
  • 25 2 Czl hawde
  • 25 3 Ambr frischem frech hatte nicht den bösen Nebensinn wie jetzt
  • 25 5 Enkel Knöchel engl ankles Uhl 404 von einem Kampfe Dar moste man went bis över de scho In dem blode waden 515 Im blut musten wir gan Biß über die schuch 518 biß eim rinnts blut in dschuch 547 het bloet liep over haer voeten Antwerp Liederb v 1544 Nr 195 6 Hor belg 11,300 Veel vanden boeren sachmen als dan Het bloet over die schoenen vlieten Ebenso in den Prophezeiungen von Kaiser Friedrichs Wiederkehr
  • 26 2 eines Dinges ein D weise werden es gut kennen lernen noch jetzt thür daher falsch einem etwas weiß machen vgl Schmeller 4 177
  • 26 1.5 gleichs den Habedank im Turnier