Man sagt von starken Helden (Heinrich der Löwe)


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Auf wen das Loos gefallen
Tät sich herstellen gern
Gott gab das Glück für allen,
Er schont immer den Herrn.
Er stund mit einem Knechte
Der war, nächst Gott, sein Trost
Groß waren sie in Nöten
Der Herr ward nicht erlos’t

Der Hunger hielt nicht stille
Er war bei ihnen groß
Der Herr sprach: »es ist mein Wille
Wir beide werfen das Los;
Auf wen es dann tut fallen
Der soll den andern verzehr’n.«
Der Knecht rief laut mit Schallen
»Solch’s tu‘ ich nicht mein’m Herrn.«

Sie taten beide losen
Der Knecht sah das ungern
Das Los fiel auf den großen
Edlen, liebwerthen Herrn
Der Knecht sollte ihn töten
Befahl der hochwerte Mann
Hoch waren sie in Nöten
Der Knecht wollt‘ nicht daran.

Der Knecht sagte mit Treuen
»Herr, es ist alles verlor’n
Ich müßt‘ mein Leben bereuen,
Ihr seid ja hochgeborn
Von Leder will ich euch machen
Gar bald ein’n neuen Sack
Ihr mögt des Glück’s erwarten
Ihr seid noch jung und stark.«

Der Knecht nahm in der Güte
Den treuen Helden wert
Näht ihn in Ochsenhäute
Und legt zu ihm sein Schwert
»Ach Gott, tu dich erbarmen
Wie steck‘ ich in der Not!
Mein’n Herrn hab‘ ich jetzt begraben
Und er ist noch nicht tot.«

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Liederthema: Gedichte
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