Man sagt von starken Helden (Heinrich der Löwe)


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Er nahm den Ring von Golde
Der in zwei Theilen war
In’n Becher warf er ihn balde
Bat sehr, er möcht ihn dar
Tragen zur Fürstin milde
Drauf war geschnitten ein
Sein Name, Helm und Schilde
Das trug man ihr hinein.

Der Diener das Geschirre
Nahm und thät ihm nichts sagen
Es däucht ihm Ebentheure
Für die Fürstin thät er’s tragen.
Sprach: »ach, gnädige Fraue,
Eine Fürstin hoch gebor’n,
Eure Gnaden thu‘ dies anschauen,
Habt ihr das Gold verlor’n?«

Sie nahm das Gold zu Handen,
Und thät’s fleißig anschau’n,
Es lag ihr Herz in Banden,
Auf sie sah’n alle Frau’n
Sie war entfärbet sehre,
Bald war sie wie ein‘ Leich‘;
Sie dacht‘: es ist mein Herre,
Der Herzog von Braunschweig.

Die Braut stund auf in Eile
Bald in die Kammer ging
In einer kleinen Weile
Rief sie den Kämmerling
Sprach: »habt ihr nicht gesehen
Draußen den fremden Mann?
Welcher vor unser’m Schlosse
Soll mit einem Löwen stahn.«

Er sprach: »gnädige Fraue,
Ich hab‘ ihn wohl geseh’n,
Thät ihn gar wohl anschauen,
Der Löw‘ that mit ihm geh’n;
Der Leu ist ihm getreue
Und ist ihm unterthan,
Viel Leute ihn anschauen,
Es ist ein feiner Mann.«

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Liederthema: Gedichte
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