Die verräterischen Weiberohren


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Da fragte der Stier den Herzog: was er ihm für seine Mühe und Leibesgefahr geben wolle? Der Herzog antwortete und sagte zu ihm: was er Billiges begehren würde, dasselbe sollte ihm werden. Da sprach der Stier: »Wenn ich wieder komme, was ich alsdann verdient habe, dasselbe wirst du mir widerfahren lassen. Werde ich aber an deiner Stelle daselbst umkommen, so bitte ich, du wollest mir ein Grab an derselben Höhe machen lassen, da man Cheinow ersehen kann.« Der Herzog versprach ihm solches.

Da nahm der Stier die fürstliche Rüstung an sich, saß auf des Herzogen köstliches Roß, und ritt mit etlichen vom Adel von Wischerad bis auf die Bruska. Damals brachen der Prager Haufen auf und zogen dem Stier, ihrem Führer, nach und er vor ihnen hin mit fröhlichem Gemüte. Und als sie an das Wasser kommen, da stund ein Weib auf einem großen Felsen, und rufte mit hoher Stimme also: »folget meinem Rate, so werdet ihr einem großen Ungemach entgehen können; denn, wollt ihr den Sieg erlangen, so müßt ihr der Götter Willen erfüllen. Derowegen schlachtet den Göttern eine Eselin, also werdet ihr den Göttern ein angenehmes Opfer verbracht haben. Denn der oberste Jupiter und Mars, desgleichen seine Mutter Ceres und Bellona mir dieses auch zu melden befohlen haben!«

Alsobald töteten sie eine Eselin, zerhieben dieselbe auf viele tausend Stücklein, und ein jeder Kriegesmann aß einen Bissen davon. Sobald solches geschehen, empfanden sie an ihnen eine ungewöhnliche Mannheit, zogen also sämtlich, mit fröhlichem Gemüte, an den gelegensten Ort, lagerten sich bei Turske auf eine Höhe, bestellten auch die Wacht und waren daselbst die ganze Nacht fröhlich und guter Dinge. Auf den Morgen, ehe dann die Sonne aufging, ließen sich des Wlatislaw Haufen sehen, lagerten sich an einem niedrigen Ort, schickten sich auch alsbald wider die Prager zur Schlacht und erzeigten sich in ihrer Rüstung sehr zierlich.

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