Das widerspenstige Schwein

mp3 anhören"Das widerspenstige Schwein" zum Anhören, als Download, als Buch oder als CD bei Amazon

Eine alte Frau fegte ihr Zimmer, da fand sie eine Silbermünze. „Was,“ sagte sie, „soll ich mit der Silbermünze anfangen? Ich werde auf den Markt gehen und mir ein junges Schwein dafür kaufen.“ Auf dem Rückwege musste sie über einen Zaun, aber das Schwein wollte nicht hinüber.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf einen Hund. Da sagte sie zu ihm: „Hund, Hund, beiße das Schwein, denn es will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“

Aber der Hund wollte nicht. Sie ging ein Stückchen weiter und traf einen Stock. Da sagte sie: „Stock, Stock, schlage den Hund, denn der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“ Aber der Stock wollte nicht.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf ein Feuer. Da sagte sie: „Feuer, Feuer, verbrenne den Stock, denn der Stock will den Hund nicht schlagen, der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“ Aber das Feuer wollte nicht.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf etwas Wasser. Da sagte sie: „Wasser, Wasser, lösche das Feuer, denn das Feuer will den Stock nicht verbrennen, der Stock will den Hund nicht schlagen, der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“ Aber das Wasser wollte nicht.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf einen Ochsen. Da sagte sie: „Ochs, Ochs, trinke das Wasser, denn das Wasser will das Feuer nicht löschen, das Feuer will den Stock nicht verbrennen, der Stock will den Hund nicht schlagen, der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“ Aber der Ochs wollte nicht.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf einen Fleischhauer. Da sagte sie: „Fleischhauer, Fleischhauer, schlachte den Ochsen, denn der Ochs will das Wasser nicht trinken, das Wasser will das Feuer nicht löschen, das Feuer will den Stock nicht verbrennen, der Stock will den Hund nicht schlagen, der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“ Aber der Fleischhauer wollte nicht.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf einen Strick. Da sagte sie: „Strick, Strick, hänge den Fleischhauer auf, denn der Fleischhauer will den Ochsen nicht schlachten, der Ochs will das Wasser nicht trinken, das Wasser will das Feuer nicht löschen, das Feuer will den Stock nicht verbrennen, der Stock will den Hund nicht schlagen, der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“ Aber der Strick wollte nicht.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf eine Ratte. Da sagte sie: „Ratte, Ratte, zernage den Strick, denn der Strick will den Fleischhauer nicht aufhängen, der Fleischhauer will den Ochsen nicht schlachten, der Ochs will das Wasser nicht trinken, das Wasser will das Feuer nicht löschen, das Feuer will den Stock nicht verbrennen, der Stock will den Hund nicht schlagen, der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“ Aber die Ratte wollte nicht.

Sie ging ein Stückchen weiter und traf eine Katze. Da sagte sie: „Katze, Katze, erwürge die Ratte, denn die Ratte will den Strick nicht zernagen, der Strick will den Fleischhauer nicht aufhängen, der Fleischhauer will den Ochsen nicht schlachten, der Ochs will das Wasser nicht trinken, das Wasser will das Feuer nicht löschen, das Feuer will den Stock nicht verbrennen, der Stock will den Hund nicht schlagen, der Hund will das Schwein nicht beißen, das Schwein will nicht über den Zaun, und ich werde heute vor Nacht nicht nach Hause kommen.“

Aber die Katze sagte zu ihr: „Wenn du zu der Kuh dort drüben gehen und mir einen Teller voll Milch bringen willst, dann werde ich die Ratte erwürgen.“

Da ging die alte Frau zu der Kuh. Aber die Kuh sagte zu ihr: „Wenn du zu dem Heuschober dort drüben gehen und mir eine Handvoll Heu holen willst, so werde ich dir die Milch geben.“ Da ging die alte Frau zu dem Heuschober und brachte der Kuh das Heu. Sobald die Kuh das Heu gegessen hatte, gab sie der alten Frau die Milch, und die alte Frau brachte sie der Katze in einem Teller.

Sobald die Katze die Milch aufgeleckt hatte, begann sie die Ratte zu würgen, die Ratte begann den Strick zu zernagen, der Strick begann den Fleischhauer aufzuhängen, der Fleischhauer begann den Ochsen zu schlachten, der Ochs begann das Wasser zu trinken, das Wasser begann das Feuer zu löschen, das Feuer begann den Stock zu verbrennen, der Stock begann den Hund zu schlagen, der Hund begann das Schwein zu beißen, das Schwein sprang erschrocken über den Zaun, und so kam die alte Frau noch vor Nacht nach Hause.

in: Anna Kellner: Englische Märchen (1898, S. 158ff)
nach: Halliwell: Nursery Rhymes and Tales, 114. (1849)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
(1898)