Bremer Stadtmusikanten

Herr Schultz ein Mann aus Spree-Athen

Herr Schultz´, ein Mann aus Spree-Athen
Wollt jüngst sich auch die Welt ansehn
Auf! ruft er. Auf nach Kamerun,
Dort will ich unter Palmen ruhn!

Der Schwiegermutter paßt es nicht
Sie machte ein sehr schief Gesicht
jedoch Frau Schultze sprach: Nanu
Wir haben ja det Jeld dazu

So kamen Schultzes denn per Bahn
Zu Hamburg in der Frühe an
Der Dampfer »Werra« lag im Hafen
Dahin läßt Schultze die Koffer schaffen

Seekrank sein ist ein schlimmes Ding
Daß Frau und Schwieger es übel ging
Herr Schultze viele Kognaks trank
Und wurde deshalb auch nicht krank

Drei Wochen waren schon vorüber
Da sprach der Kapitän: Grad über
Da ist das Land von dem King Bell
Wünsch viel Vergnügen, fare you well

King Aqua war grad an dem Strand
Als Schultzes kamen an das Land
Er gab daher sehr hocherfreut
Madame Schultzen das Geleit

Der König Bell, der wetzt den Zahn
Und sieht sich Schultzen gierig an
Jedoch der gute Missionär,
Der sagt, daß das verboten wär

Herr Schultze hält ne schöne Red´
In jedem deutschen Blatt sie steht
Und binnen kurzem ganz gemütlich
Kneipt Dattelschnaps mit Bell er friedlich

Frau Schultze machte einst Toilett´
Ein Affe fand dies äußerst nett
Doch plötzlich, Chignon und das Küh
Die waren alle beid perdü

Die Schwiegermutter promenierte,
Der Weg zum Kam´run-Strom sie führte
Da lag schon auf der Lauer still
Ein mächtig großes Krokodil

Frau Lehmann wollte retten sich
Doch ach, das Vieh war fürchterlich
Es machte nur ein einzig Schnapp
Und würgt die ganze Frau hinab

Das Krokodil, das sprach: 0 weh
Ist diese Alte schrecklich zäh
Acht Tage später ward’s entdeckt
Im Schilfe lag´s und war verreckt

Als König Aqua dies vernommen
da ließ er seine Sklaven kommen
die setzten einen Gedenkstein:
»Hier, Wandrer, fiel Frau Lehmann rein!«

Herr Schultze tat sehr traurig zwar
Doch riß er sich nicht aus ein Haar
Er dachte: Nun man immer zu
Vor diesem Drachen hast du Ruh

Ein fremder Häuptling voll Verlangen
Tat über Nacht Frau Schultze fangen
Und fraß sie auf zum Zeitvertreib —
vergnüglich halfen Kind und Weib

In seinem fürchterlichen Schmerz
Tröst´t Schultzen ein liebend Negerherz
Er nimmt sie mit nach Spree-Athen
Dort könnt ihr alle beide sehn.

Text: Neuruppiner Bilderbogen –
daher in Krokodilstränen (1970)

 

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Liederthema: Moritaten
Liederzeit: (1900)
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