Wollt ihr hören neue Mär

Freiheitslieder | | 2006
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Wollt ihr hören neue Mär
Von den Fürsten und von den Herrn
Und von den Edelleuten
keiner von Ihnen will begreifen

Auf das Christenblut sind sie erstarrt
Wie werdet ihr hier erfahren
Sie ließen sich keines erbarmen;
Gott wird erhören die Armen!

An einem Dienstage das geschah
Daß man manchen Herrn und Fürsten sah
Zu Schlotheim in dem Felde
Die von Mühlhausen mußten es entgelten !

Herzog Georg war ein zorniger Mann
Herr Apel von Ebeleben, der böse Tyrann,
Zum Fürsten tat er entrinnen
Er wollt viel Güter gewinnen.

Mühlhausen war ein festes Städtlein
Dennoch kommen Fürsten und Herren drein.
Der Doktor hat sie verraten
Mit seinem langen roten Barte.

Der Doktor ist ein Bösewicht
Er hat es nicht wohl ausgericht’t;
Das wird ihn sehr verdrießen —
Er muß stecken an einem Spieße.

Heinrich Baumgarten ist auch ein Mann
Der sich mit Schalkheit retten kann
Er wußte wohl zu guten Maßen
Wie es der Doktor wollte lassen.

Sebastian Künemund sagt es ihm ins Gesicht,
Dafür ward ihm sein Kopf abgebauen
Er muß der Worte büßen
Denn es tat‘ die Fürsten verdrießen.

Zu Mühlhausen war ein gelehrter Mann
Herr Heinrich Pfeifer war sein Nam
Sein Leben mußt er lassen
Bei Bolstedt auf der Straßen.

Die zu Mühlhausen haben sehr gelogen;
Dem Pfeifer ward ein weißer Schurz angezogen6);
Sie taten es ihm sehr verdenken
Sie wollten’s ihm wahrlich nicht schenken.

Wittich und Rodemann waren nahe dabei
Welche armen Leute die Fürsten gaben frei,
Die griffen sie wohl auf der Fahrt
und hieben ihnen durch den Passeport

Es gab bei ihnen keine Barmherzigkeit.
Gott gebe den Bösewichtern allen Leid
Der Teufel wird sie schänden
an ihrem letzten Ende!

Der Kriegsmeister Lammhart
Der gab den Armen insgemein den Rat,
Sie sollten alle weichen
Wohl nach dem Popperoter Teiche

Des Doktors Frau hatte einen guten Einfall
Es ward ihr sauer, eh‘ sie die Frauen ausgericht’t10);
Sie wollte mit ihnen in das Lager
Der Teufel soll ihrer pflegen!

Der uns das Liedlein gedichtet hat
Er ist des Mühlhauser Krieges satt
Ihm ist nicht wohl gelungen
Das sei denen von Mühlhausen gesungen!

Text und Musik: aus dem Bauernkrieg , Mühlhausen 1525 – Übertragung nach Steinitz I, S. 17: „Gleichzeitige Handschrift (loses Blatt) im S. Ernestin . Gesamtarchiv zu Weimar“:  Liliencron 3, Nr.350. –

Dieses Lied ist nach der Niederschlagung der großen revolutionären Bewegung Thomas Müntzers, die in Mühlhausen ihr Zentrum hatte, verfasst.

Anmerkungen und Erklärungen (einige nach Liliencrons Angaben): Das Lied bezieht sich auf den 16. Mai 1525, als die Bauern den Herzog Georg von Sachsen von seinem Schloß Ebeleben verjagt jaben.Der „Doktor“ ist wohl „Doktor von Othera“, der während der Volkaherrschaft Stadtsyndikus war, „von dem man mit einem Höchstmaß an Wahrscheinlichkeit annehmen darf, daß er von der ,Ehrbarkeit‘ in den Ewigen Rat delegiert wurde, um dort ihre Interessen wahrzunehmen. Als die Fürsten Mühlhausen eingenommen hatten, wurde Othera nicht etwa hingerichtet, sondern zum Schultheiß ernannt“ (Meusel, Thomas Müntzer, S. 164, 327).

Das Lied bestätigt die verräterische Rolle dieses „Doktors“. —Heinrich Baumgarten, der Sohn des regierenden Bürgermeisters des alten Rats, war nach dessen Absetzung sein Nachfolger geworden (W. Zimmermann, Großer deutscher Bauernkrieg. Berlin 1952, S. 650) und versuchte offenbar nach dem Sieg der „Fürsten, sich diesen anzubiedern; vgl. Meuse], Thomas Müntzer, S. 329. — 6) Sebastian Künemund war Bürgermeister von Mühlhausen und wurde von den Siegern hingerichtet; s. Meusel, Thomas Müntzer, S. 329. Wittich (Wettich) und Rodemann waren beide Bürgermeister des alten Rats und nach ihrer Absetzung zu den Fürsten geflohen — sie gehörten also zur Fürstenpartei; s. Meusel, Thomas Müntzer, S. 326. — Sinn von „hieben ihnen durch den Passeport“ offenbar: sie hauten ihnen den Schädel durch, ohne Rücksicht auf Geleitzettel. — Des „Doktors Frau“ führte also die Frauengesandtschaft an (Liliencron).

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