Wir traben in die Weite (Edelweißpiratenversion)

Edelweisspiraten | Marienlieder | | 2005
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Wir traben in die Weite,
das Fähnlein steht im Spind,
Viel Tausend uns zur Seite,
die auch verboten sind.

Harmlose Koppelschlösser,
erregen andrer Wut.
Im Westen geht´s nicht besser,
dem Pimpfen steigt der Mut.

Und fallen wir zur Erde,
von zwanzig Mann umfasst,
wir strampeln mit den Beinen,
das macht uns riesig Spass.

Wie da die Fetzen fliegen,
Es purzeln gross und klein,
wir verbündeten Hallunken (!),
wir wollen Freie sein.


2. Fassung:

Wir traben in die Weite,
das Fähnlein steht im Spind.
Viel tausend uns zur Seite,
die auch verboten sind.

Das Fahrtenhemd im Schranke,
das Halstuch und der Hut,
die sagen: „Gott sei Danke,
jetzt haben wir’s mal gut.“

Harmlose Koppelschlösser
erregen andrer Wut.
Den Westen gehts nicht besser,
den Pimpfen steigt der Mut.

Vom Westen bis zum Osten
ertönt ein laut Gebraus:
„Ihr tragt verbotne Sachen,
die ziehen wir euch aus!“

Und fallen wir dann zur Erde,
von zwanzig Mann gefaßt,
wir trampeln wie die Pferde,
das macht uns riesig Spaß.

Hei, wie die Schläge fallen,
da staunet Groß und Klein.
Uns bündische Halunken,
uns kriegt kein Teufel klein!


Andere Fassung, Aaachen , 1934

Wir tagen in dem Heime / das Fähnlein steht im Spind
viel tausend uns zur Seite / die auch verboten sind
das Fahrtenhemd im Schranke, das Halstuch und der Hut
Sie sagen: Gott sei Danke / jetzt haben wir es gut

Harmlose Koppelschlösser erregen andrer Wut
den Westen gehts nicht besser / denb Klampfen steigt der Mut
allüberall im Selfkant ertönt ein lauter Ruf
wir halten fest die Treue wir haben frohen Mut

Und fallen wir zur Erde von 20 Mann gefasst
wir trampeln wie die Pferde / das macht uns riesig Spass
wie da die Lappen fliegen / es purzelt gross und klein
wir treu verbundne Jungen uns sehr darüber freuen

(Stapo-Bericht aus Aachen: „wurden dort im Besitz von katholischen Jungmännern Abschriften eines Spottliedes auf die HJ gefiunden, das in etwas anderer Sassung schon im Sommer 1934 bekannt geworden ist“ Dazu obiger Text)

Das Lied ist eine Parodie auf das in den 1920er Jahren beliebte Soldatenlied „Wir traben in die Weite, das Fähnlein weht im Wind“. Die klare Kampfansage gegen HJ und Uniformverbot war in vielen Varianten verbreitet und wurde – so ein Zeitzeuge – „von Tausenden grimmig gesungen“.  Nach Angaben der Maria Schnorrenberg wurde dieses Lied sowohl von den Navajos an der Neuen Universität Köln als auch auf Fahrt gesungen. Es war insbesondere auch in der katholischen Jugendbewegung weit verbreitet.

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