Wir kommen daher aus fremden Land (1798, Thüringen)

Marienlieder | uncategorized | 2012
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Wir kommen daher aus fremden Land
Einen guten Abend den geb euch Gott


Einen guten Abend eine fröhliche Zeit
die uns der Herr Christus mit Freuden bereit

Der Mohr allein


ch bin der König aus Mohrenland
jetzt komm ich ans Egyptenland


Alle


Caspar Balzer Melchor dar
wir treten zusammen auf einen Saa


Jetzt kommen die kleinen drei Könige aus ihrer Hütte bis vor Herodes Fenster spaziert


Wir treten zusammen vor Herodes Haus
Herodes schaut zum Fenster heraus


Jetzt steckt Herodes den Kopf heraus und nickt zuweilen


Herodes sprach Wo wollt ihr hin
Nach Bethlehem steht unser Sinn


Nach Bethlehem in Davids Stadt
wo das Kind Jesus geboren ward


Mohr


Herodes sprach Kommt rein zu mir
ich will euch geben Wein und Bier


Ich will euch geben Heu und Streu
ich will euch geben die Zehrung frei


Alle


Ach nein ach nein wir müssen fort
wir haben ein kleines Kindlein dort


Ein kleines Kind ein großer Gott
der Himmel und Erde erschaffen hat


Der Mohr


Herodes sprach mit trotzigem Sinn
Wollt ihr nicht bleiben geht immer hin


Herodes schüttelt den Kopf und zieht ihn wieder zurück


Alle


Wir gingen zu einem Berg hinan
Die drei kleinen Könige rücken bis an den Stall


da mußte der Stern wol stille stahn
Nun wird der Stern nicht weiter gedreht


Der Stern stand stille wir gingen hinein
und fanden die Marie mit dem Christkindlein 


Wir knieten nieder und betetens an
jetzt bücken sich die drei Reguli dreimal
und schenkten ihm Gold Weihrauch und Myrrhen


Die drei Könige , welche ihr Gold und Weihrauch alle verschenkt haben, nehmen nunmehr mit einer kleinen Wegezehrung von Silber oder Kupfer vorlieb und geben ihre Dankbarkeit durch folgende und ähnliche Reime zu erkennen


Sie haben uns eine Verehrung gegeben
Gott laß sie das Jahr mit Freuden erleben


Mit Freuden erleben immerdar
das wünschen wir heute zum neuen Jahr


Dem Herrn wolln wir wünschen ein goldnen Tisch
auf allen vier Ecken gebratne Fisch


Und mitten drein einen Becher mit Wein
das soll des Herrn sein Schlaftrunk sein


Der Frau wolln wir wünschen ein goldnen Ring (goldne Kron)
und übers Jahr ein kleines Kind (jungen Sohn)


Dem Sohn wolln wir wünschen ein grünes Kleid
und übers Jahr ein junges Weib


Der Tochter wolln wir wünschen ein goldne Kann
und übers Jahr ein jungen Mann


etc…

Zur Erläuterung diene noch die Beschreibung,  wie es die Sterndreher in Thüringen machten :


Drei junge Bursche , welche sich auf gemeinschaftliches Verdienst vereinigt haben, sind mit langen, weißen Hemden bekleidet, die ein mit Goldpapier überzogener Gürtel zusammenhält, gleichfalls mit Goldpapier überzogene breite Wehrgehänge hängen über den Schultern und tragen entweder hölzerne oder vom Militär geborgte Säbel.  Ihrer Zwei führen vergoldete Spieße in Händen, und der Dritte trägt den sogenannten Stern.  Einer, welcher den Mohrenkönig vorstellt, ist an Händen und im Gesicht geschwärzt, hat einen auf allerlei Art gezierten Turban auf und über diesem, um die königliche Würde besser zu behaupten, gewöhnlich einen langen steifen Zopf (die beiden Andern gleichfalls) und zackigte Kronen von vergoldetem Papier. Der sogenannte Stern besteht aus einer Stange und einen darauf befestigten Brett.  Auf dem Brett steht im Hintergrund eine Art von Schloß, das mit Gold und Buchsbaum reichlich verziert ist, auf der einen Seite ist eine buchsbaumene Laube, in welcher die kleinen drei Könige so lange verborgen stehen, bis das Lied ihre Erscheinung verlangt, an der andern Seite ist der Stall mit Joseph, Maria und dem Kindlein in der Krippe in Gesellschaft eines Oechs und Eseleins.


Im Schloß selbst ist in der Mitte ein großes Fenster hinter welchem Herodes gewöhnlich mit einem braumroten fürchterlichen Gesicht, das eine große schwarze Perücke ziert, steht. Alle Figuren sind durch Schnüre etwas beweglich und werden von den auf beiden Seiten postierten Königen zu seiner Zeit in Bewegung gesetzt. An der Stange ist ein großer vergoldeter mit Erbsen gefüllter Stern von Pappendeckel befestigt, den der Sternhalter herumdreht und das Ganze wird durch drei bis vier Lichterchen erleuchtet. 


in Journal von und für Deutschland VI Jahrg 1789 1-6. Stück S. 156-159 ,
abgedruckt in Ludwig Erk: Deutscher Liederhort (1856)

1789
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