Willkommen fahrender Mann (Tragemundslied)

Rätsellieder | | 2011
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Willkommen fahrender Mann
wo lagst du letzte Nacht
womit warst du bedacht
oder in welcherlei Weise
erwirbst du Kleider und Speise?

„Das hast du gefraget einen Mann
der dirs in ganzer Treue sagen kann
Mit dem Himmel war ich bedeckt
und mit Rosen war ich umsteckt
in eines stolzen Knappen Weise
erwerb ich Kleider und Speise“

Nun sag mir Meister Tragemund
zweiundsiebzig Land die sind dir kund
Welcher Baum gebiert ohne Blüt?
Welcher Vogel ist ohne Zunge?
Welcher Vogel fängt seine Jungen?
Welcher Vogel ist ohne Magen?
Kannst du mir das jetzund sagen?
So will ich dich für einen weidlichen Knappen halten

„Des hast du gefraget einen Mann
der dirs in ganzer Treue wohl sagen kann
Der Wacholder gebiert ohne Blüt
Die Fledermaus säugt ihre Jungen
der Storch ist ohne Zunge
die Schwarbe ist ohne Magen
ich will dirs in ganzer Treue sagen
und fragest du mich jetzund mehre
ich sag dirs fürbaß an dein Ehre“

Nun sag mir Meister Tragemund
zweiundsiebenzig Land die sind dir kund
Was ist weißer denn der Schnee
Was ist schneller denn das Reh
was ist höher denn der Berg
was ist finstrer denn die Nacht?
Kannst du mir jetzund das wol sagen?
So will ich dich für einen weidlichen Knappen halten

„Des hast du gefraget einen Mann
der dir von Grunde wol sagen kann
Die Sonn ist weißer denn der Schnee
Der Wind ist schneller denn das Reh
Der Baum ist höher denn der Berg
die Ram ist schwärzer denn die Nacht
doch will dir in ganzer Treue sagen
fragst du mich jetzund mehre
ich sag dirs fürbaß an dein Ehre“

Nun sag mir Meister Tragemund
zweiundsiebenzig Land die sind dir kund
Durch was ist der Rhein so tief?
Warum sind Frauen also lieb?
Durch was sind die Matten so grün?
Durch was sind die Ritter so kühn?
Kannst du mir das jetzt sagen?
So will ich dich für einen stolzen Knappen halten

„Des hast du gefraget einen Mann
der dir es wol gesagen kann
Von manchen Ursprung ist der Rhein so tief
von hoher Minne sind die Frauen so lieb
von manchen Würzen sind die Matten grün
von manchen starken Wunden sind die Ritter kühn“

Nun sag mir Meister Tragemund
zweiundsiebenzig Land die sind dir kund
Durch was ist der Wald so greise?
Durch was ist der Wolf so weise?
Durch was ist der Schild verblichen?
Durch was ist manch gut Geselle vom andern gewichen?
Kannst du mir das jetzt sagen?
So will ich dich für einen weidlichen Knappen halten

„Des hast du gefraget einen Mann
der dirs von Grunde wol sagen kann
Von manchem Alter ist der Wald so greise
von unnützen Gängen der Wolf so weise
von mancher Heerfahrt ist der Schild verblichen
unnützen Sibichen ist manch gut Gesell entwichen“

Nun sag mir Meister Tragemund
zweiundsiebenzig Land die sind dir kund
Was ist grüner als der Klee?
Was ist weißer als der Schnee?
Was ist schwärzer als die Kohl?
was zeltet rechter als der Fohl?
Kannst du mir das jetzt sagen?
So will ich dich für einen weidlichen Knappen halten

„Das hab ich bald gesaget dir
die Agelster ist grüner als der Klee
und ist weiß so wie der Schnee
und ist schwärzer denn die Kohl
und zeltet rechter als der Fohl
und fragest du mich jetzt noch mehre
ich sag dirs fürbaß auf dein Ehre“

„Neuhochdeutsche Umschreibung“ des Trougmundliedes, das vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt . Diese Version findet sich bei Erk / Böhme : Deutscher Liederhort ( III, Nr. 1061) . Bei der mittelhochdeutschen Fassung, wie sie auf einer Pergamenthandschrift aus dem 14. Jahrhundert in Straßburg stand, findet man weitere Angaben zu diesem Lied.

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