Wer Christo jetzt will folgen nach (Ein schön Lied von Jörg Wagner)

Balladen und Moritaten | | 2008
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Wer Christo jetzt will folgen nach
Muß achten nicht der Welte Schmach
Das Kreuz er auch muß tragen
Kein ander Weg in´n Himmel geht
Hör ich von Jugend sagen

Also tat Jörg der Wagner auch
Gen Himmel fuhr er in dem Rauch
Durch´s Kreuz war er bewehret
Gleichwie man tut dem klaren Gold
Von Herzen er´s begehret


Der Falkenturm ward ihm zuteil
Es galt ihm seiner Seelen Heil
Er acht´ keins Menschen Trauren
Er acht´ auch nit sein kleine Kind
Noch seiner ehiichen Frauen


Wiewohl sie ihm nie warn unmehr
Und er gern bei ihn´n blieben wär
Hat Liebs und Leids gelitten
Kein Arbeit an seim Leib gespart
Nach frommer Ehleut Sitten


Gleichwohl er sie verlassen muß
Es war ihm kein geringe Buß
Daß er von ihn´n mußt scheiden
Kein Fürst mit seinem Fürstentum
Hätt´s ihm mögen erleiden


Zween Barfüßmönch in grauem Kleid
Jörg Wagner trösten in seim Leid
Sie wollten ihn bekehren
Er wies sie in ihr Klösterlein
Ihr Red wollt er nit hören


Der Henker führt ihn an eim Strick
Im Rathaus las man ihm vier Stück
Darauf stund ihm sein Leben
Eh er eins widerrufen wollt
In Tod tat er sich geben


Der erst Artikel war nit leicht
traf an die mündlich Ohrenbeicht
Kein Pfaff möcht ihm verzeihen
Dieweil er wider Gott getan
Der ihn allein könnt freien


Der Tauf ist recht, wie Christus lehrt
Wenn die Ordnung nit wird verkehrt
Bedeut´ sein bitter Sterben
Ist ein Abwaschung unser Sünd
Dardurch wir Gnad erwerben


Von´s Herren Christi Sakrament
Jörg Wagner ihn´n auch frei bekennt:
„Ich halt es für ein Zeichen
Für Christi hingegebenen Leib“
Red´t er ohn alles Schmeicheln


Zum vierten wollt nit glauben tun
Daß sich Gott sollte zwingen Ion
Auf Erd herab zu kommen
Bis er werd´ halten sein Gericht
Den Bösen mit den Frommen.


Zu München ein Schulmeister was
Der nit weit von St. Peter saß:
„Jörg Wagner, du sollst beichten!
Darfst du keiner Absolution
Laß dich was Guts berichten!“


„Scholmeister, das würd mir zu lang
Mit vielen ich ins Feuer gang
Mein Sünd sind mir verziegen
Daran ich keinen Zweifel trag
So wird der Beicht geschwiegen.“


„Jörg, meinst du nit, du seist verblend´t
Daß du nicht hältst aufs Sakrament
Auf Gott setz dein Vertrauen!
Sieh zu, wo du dich irren möchtst!
Laß dich von Herzen rauen!“


„Mein Herz ist alles Zweifels ohn
Daß mich Gott werde irren Ion
An dem Eckstein verletzen
Dann die gleich sind dem Rohr im Meer
Ihr Sach auf Zweifel setzen.“


Midlingsmeister, der Predikant
Zum Vaterunser ihn vermahnt
Daß er ihm sollt nachbeten
„Von Herzen allen ich verzeih
So wider mich je täten.“


„Jörg Wagner, als ein frommer Christ
Sag, ob´s in deinem Herzen ist
Wie du mit Mund bekennest
Es gilt dir deiner Seelen Heil
Ob du´s nit recht verständest.“


„Gilt es mir meiner Seelen Heil
So ist sie mir also nit feil
Daß ich mit Mund sollt sprechen
Welchs nicht in meinem Herzen wär
Gott würd es an mir rächen.“


„Jörg Wagner, forderst du an mich
Daß ich ein Messe les für dich
Nach christelichen Sitten
Kommst du vor Gottes Angesicht
So wollst auch für mich bitten!“


„Daß er mir auch verleih Geduld
Daß ich erwerbe seine Huld
Weil ich noch bin im Leben
Bitt ich Gott; das ist mein Begehr
Nach dem Tod ist´s vergeben.“


Etlich christliche Brüder warn
Raunten Jörg Wagner in sein Ohrn
Weil er noch war beim Leben:
„In Feur sterb als ein frommer Christ!
Wolltst uns ein Zeichen geben!“


Er sprach: „Das will ich gerne tun
Christum, den wahren Gottessohn
Will ich mit Mund bekennen
Solang als mein Vermögen ist
Will ich ihnJesum nennen.“


Zween Henker stunden beiderseit
Den Ring um ihn sie machten weit
Jörg Wagner sprach den Glauben
Zugegen stund ein große Schar
Von Männern und von Frauen


Jörg Wagner sah ohn Forcht um sich
Sein Mund zu keiner Zeit verblich
Er red´t, daß´s manchen wundert
Geschah im siebenundzwanzigsten Jahr
Eintausend und fünfhundert


Im Hornung in demselben Jahr
Am achten Tag ganz offenbar
Hing man ihm an sein Kehle
Ein Sack mit Pulver nit fast klein
Benahm ihm da sein Seele


Man flecht´ ihn auf ein Leiter hart
Das Holz und Stroh anzündet ward
Jetzt ward das Lachen teure
„Jesus, Jesus!“ zum viertenmal
Rief er laut aus dem Feure


Elias tut die Wahrheit sag´n
Daß er in eim feurigen Wag´n
Fuhr in das Paradeise:
So bitten wir den heilgen Geist
Daß er uns unterweise

„Ein schön Lied von Jörg Wagner , zu München verbrannt, Anno 1527″: Täuferlied von 1527. Georg Wagner von Emmering war einer der ältesten Märtyrer der Täufergemeinden. Wegen seiner Schriften wurde er 1526 in München gefangen gesetzt und am 8.2. 1527 vor dem Rathaus verbrannt.


in: August Hartmann : Historische Volkslieder und Zeitgedichte vom 16. bis 19. Jahrhundert , Bd.1 , Bis zum Ende des dreißigjährigen Krieges , München 1907 — Die Tote Braut (1977) —


 







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