Wenn heut ein Geist herniederstiege

Deutschlandlieder | | 2010
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Wenn heut ein Geist herniederstiege
zugleich ein Sänger und ein Held
ein solcher, der im heil´gen Kriege
gefallen auf dem Siegesfeld
der sänge wohl auf deutscher Erde
ein scharfes Lied, wie Schwertesstreich
nicht so, wie ich es künden werde
nein, himmelskräftig, donnergleich

Man sprach einmal von Festgeläute
Man sprach von einem Feuermeer
Doch was das große Fest bedeute
Weiß es denn jetzt noch irgendwer?
Wohl müssen Geister niedersteigen
Von heil´gem Eifer aufgeregt
Und ihre Wundenmale zeigen
Daß ihr darein die Finger legt

Ihr Fürsten! seid zuerst befraget:
Vergaßt ihr jenen Tag der Schlacht
an dem ihr auf den Knien laget
und huldigtet der höhern Macht
Wenn eure Schmach die Völker lösten
wenn ihre Treue sie erprobt
so ist´s an euch, nicht zu vertrösten
zu leisten jetzt, was ihr gelobt

Ihr Völker, die ihr viel gelitten
vergaßt auch ihr den schwülen Tag?
Das Herrlichste, was ihr erstritten
wie kommt´s, daß es nicht frommen mag?
Zermalmt habt ihr die fremden Horden
doch innen hat sich nichts gehellt
und Freie seid ihr nicht geworden
wenn ihr das Recht nicht festgestellt

Ihr Weisen! muß man euch berichten
Die ihr doch alles wissen wollt
Wie die Einfältigen und Schlichten
Für klares Recht ihr Blut gezollt?
Meint ihr, daß in den heißen Gluten
Die Zeit, ein Phönix, sich erneut
Nur um die Eier auszubruten
Die ihr geschäftig unterstreut?

Ihr Fürstenrät´ und Hofmarschälle
mit trübem Stern auf kalter Brust
die ihr vom Kampf um Leipzigs Wälle
wohl gar bis heute nichts gewußt
vernehmt! an diesem heut´gen Tage
hielt Gott der Herr ein groß Gericht
Ihr aber hört nicht, was ich sage
ihr glaubt an Geisterstimmen nicht

Was ich gesollt, hab ich gesungen
und wieder schwing ich mich empor
was meinem Blick sich aufgedrungen
verkünd ich dort dem sel´gen Chor
Nicht rühmen kann ich, nicht verdammen
untröstlich ist´s noch allerwärts
Doch sah ich manches Auge flammen
und klopfen hört ich manches Herz.“

Text: Ludwig Uhland (am 18. Oktober 1816)
Musik: auf die Melodie von Sind wir vereint zur guten Stunde
in: Allgemeines Deutsches Kommersbuch (1914)







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