Weint mit mir ihr nächtlich stillen Haine

Trauerlieder | 2006
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Weint mit mir, ihr nächtlich stillen Haine,
zürnet nicht ihr morschen Totenbeine,
wenn ich euch, ja, wenn ich euch,
wenn ich euch in eurer Ruhe stör!

Denn es wohnt allhier in euer Mitte
sanft und still ein Mädchen voller Güte.
Ach! von ihr entfernt zu sein, ist schwer.


Sie versprach, des Nachts mir zu erscheinen
sich mit mir auf ewig zu vereinen,
wenn die süße Geisterstunde schlägt.


Zwölf am Kirchhofturme ist’s vorüber,
müd und matt sind alle meine Glieder,
einsam steh ich hier an ihrer Gruft.
  
Horch! was rauscht dort an der Kirchhofsmauer
leis herab in einer stillen Trauer?
Immer näher kommt es auf mich zu.


Ganz schneeweiß in einem Sterbekleide,
schön geschmückt mit himmlischem Geschmeide.
Ach, wenn es doch Wilhelmine wär!


Ja. ich bin’s!“ sprach sie mit leiser Stimme.
,,Vielgeliebter, deine Wilhelmine
schrecklich ist´s in der Verwesung Gruft


Schau herab, wie schaurig und wie düster
herrscht allhier das Wurmggegeister
flieh von hier, bis einst der Tod dich ruft!“


Soll ich dich, Geliebte, schon verlassen.
kann ich dich denn, gar nicht mehr umfassen.
Ach, so schlummre sanft in deiner Gruft!


Steig hinab in deine Erdenkammer,
mach mir Platz. denn mich verzehrt der Jammer,
und bis morgen bin ich schon bei dir.


Bei dem Vater in dem Himmel droben
wo so viele Millionen wohnen
dorten wird der Freud kein End mehr sein

Text: Johann Franz von Ratschky  – Wien 1799
Musik: aus Thüringen
in Wie´s klingt und singt (1936)

Aus dem Ersten Weltkrieg

Weint mit mir im nächtlich stillen Heyne
Zürnet nicht ihr morschen Todtesbeine
:/: Wenn ich Euch, ja wenn ich Euch
Ja wenn ich Euch in Eurer Ruhe stör. :/:

Denn es wohnt allhier in Eurer Mitte
Sanft und still, ein Mädchen voller Güte
:/: Ach getrennt, ja ach getrennt
Ach getrennt von Ihr zu sein, ist schwer. :/:

Und sie schwur des Nachts, mir zu erscheinen
Sich auf ewig mit mir zu vereinen
:/: Wann die düstre, ja wann die düstre,
Ja wann die düstre Scheidestunde schlägt. :/:

Schon ist zwölf am Kirchthurm vorüber
Matt und kraftlos sind nun meine Glieder
:/: Einsam steh ich, ja einsam steh ich
Einsam steh‘ ich noch vor ihrer Gruft.

Horch was rauscht dort an des Kirchhofsmauer
Endlich kommt’s herauf in stiller Trauer
:/: Immer näher, ja immer näher
Immer näher kommt es auf mich zu.

Ganz schneeweiss in einem Todtenkleide,
Schön geschmückt mit himmlischem Geschmeide
:/: Ach wenn es nur, ach wenn es nur
Ach wenn es nur meine Anna wär.

Ja ich bin´s sprach sie mit leiser Stimme
Einstmals mein Geliebter deine Wilhelmiene
:/: Flieh von mir, ja flieh von mir
Flieh von mir bis dich der Tod einst ruft.

Soll ich dich denn schon so früh verlassen
Darf ich dich denn gar nicht mehr umfassen
Schrecklich ist´s, ja schrecklich ist
Schrecklich ist in der Verwesung Gruft.

Steig hinab in deine Todteskammer
Mache Platz denn mich verzehrt der Jammer
:/: Ach schon morgen, ja ach schon morgen
Ach schon morgen werde ich bei dir sein.

Aus dem Notizbuch von Oscar Schach, Kgl. Sächs. Inf.Reg.106, 4. Komp. Z.Z. Garnison Chemnitz
gedient 1873 – 1876

Als DVA A 109164 in der Soldatenlieder-Sammlung (1914-1918)

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