Was Neues hat sich zugetragen

Freiheitslieder | | 2010
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Was Neues hat sich zugetragen!
Man hört von den Burgfriedern sagen
Sie haben kürzlich rebelliert
Sie rotten sich zu grossem Haufen
dem Weiler´schen Schlosse zugelaufen
Mit festem Schritt, wie exerciert

Sie sprachen zu dem Amtmann Erbe
Er solle herthun sein Gewerbe
Es tauge nimmer in die Welt
den Fall, das Handlohn und Gilthenne
Und was man noch derarten kenne
Werde dem Feuer zugestellt

Der Amtmann bat: „Laßt sein die Gfäller!“
Verwies sie zu dem Wein im Keller
„Da habt die Schlüssel zu dem Geld.“
„Nein!“ war der Bescheid, „wir sind rein!
Verlangen weder Geld noch Wein
sind redliche Männer vor der Welt

Nur her mit dem, was wir gefordert!
Seht, wie schon unser Feuer lodert
Hinaus die Bücher und Papier!
Hurrah! wie die Gilthühner rauchen
Das Handlohn soll uns nimmer saugen!
Nur tapfer, Jergle, tapfer schier!“

Als dieses Werk nun ganz vollendet
hat Amtmann Botschaft abgesendet
hinein in das Weinsberger Amt
Er ließ sein Compliment mit sagen
und was sich sonsten zugetragen
wie Fall und Handlohn aufgeflammt

Comision kam in Neuhütten
(weil Weiler diesen Sturz erlitten)
mit einem Truppen Militär
ließ gleich die Rädelsführer holen
die transportiret werden sollen
zu einem sonstigen Verhör

Der Pöbel kam in vollem Haufen
vor Sonnenwirtshaus zugelaufen
und schrien: „Wir lassen keinen fort!“
Das Wort ertönt mit großem Schalle:
„Ist einer für die andern alle!
bei unserm teuren Ehrenwort!“

Das Militär mit seinen Fahnen
ward comantiert: „Gespannt den Hahnen!
Gebt Feuer auf die Rebellier!“
Der Pöbel rief: „Schießt her, ihr Brüder!
Wir regen weder Hand noch Glieder
Wir schwörn dem König Treuheit hier!

Nur Glück und Heil sei unserm König!
Ihm sind wir gerne unterthänig
Erbarmt sich doch in unsrer Not
So wahr, der uns das Leben geben
Wir lassen für ihn Leib und Leben
und wär es auch der bängste Todt“

Das Comando, solch Wort vernommen
Ein heiliger Schauer angekommen
„Halt! ziehet euer Gwehr zurück!
Ist wahrlich ein rechtschaffner Pöbel
Ihn straft man nicht mit Gwehr und Säbel
Wünscht noch dem König Heil und Glück.“

Text: Johann Karl Hübner (Bauer in Unterheimbach , 1804-1864)
Musik: ? –

Johann Karl Hübner, ein Bauer in Unterheimbach , geb. am 20. April 1804 als Sohn eines Bauern. Er lebte stets in Unterheimbach, war dort verheiratet und Vater von 14 Kindern. Er war ein fruchtbarer Volksdichter, der viele Gelegenheitsgedichte (Gratulationen  u. dgl. ) gemacht und handschriftlich hinterlassen hat . Ein Lied mit dem Titel: „Das Leben des Burgfrieder“ hat er auch drucken lassen und selbst kolportiert. Aus seinen Gedichten erkennt man ihn als entschiedenen, kühnen Anhänger der Volksbewegung von 1848 (den Auszug nach Weiler hat er wohl selbst mitgemacht, wenn auch nur als Augenzeuge), den seine Gesinnung im Jahre 1852 auch in Untersuchungahaft nach Weinsberg gebracht hat: er hatte ein Revolutionsgedicht nach Paris geschickt, das von dort der württembergischen Regierung mitgeteilt wurde. Auf der andern Seite zeigt er sich aber auch als loyaler Bürger und Anhänger der guten alten Sitten, als treubesorgter Familienvater und Ehemann. Er starb am 22. Nov. 1864. ( nach Steiff , Württemberg , zitiert nach Steinitz II 1962)

in: Steiff , Württemberg , Nr. 258, S. 936ff.: Heft in 4 mit handschriftlichen Gedichten von Johann  Karl Hübner , teils vom Verfasser selbst, teils von seinem Schwiegersohn geschrieben. — Es existiert noch eine Einzelhandschrift des Liedes mit der Überschrift „Das Revulotionslied“, die folgende wichtigere Abweichungen zeigt: Strophe 3,6: und wollen redliche Männer sein — 5,5: nebst dem, was sich hier zugetragen, wie die Gefäller aufgeflammt —  9,3: erbarm —  10,2:  ein heiliger Schauer es ankommen —  10,6: unsrem König. — Orthographie des Originals kaum verändert –  bei Steinitz II , 1962

Fall =  Abgabe beim Tod eines Belehnten
Handlohn = Abgabe des Lehensmanns bei Übernahme des Lehensguts
Gilthenne = Hühner, die als Abgabe für verschiedene Verhältnisse vorgeschrieben waren
Gfäller = mundartlich für Gefälle, die Sammelbezeichnung der grundherrlichen Abgaben
Tapfer = schnell
schier = schüre







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