Was das bloß ist man kann mich hier nicht leiden (KZ Buchenwald)

Lieder aus Konzentrationslagern | | 2015
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Was das bloß ist man kann mich hier nicht leiden
und was ich mache hat noch nie geklappt
Von Hause bin ich höflich und bescheiden
wenn ich hier, was schief geht, werd ich ertappt
Ich bin kein Brotdieb und war nie ein Zinker
nur nicht gelenkig und ein wenig steif
Hier aber nennt mich jeder einfach „Stinker“
sieht „schwarz“ für mich und sagt, ich wäre reif
Wie bös, nervös, monströs, skandalös!

Draussen bin ich doch jemand gewesen
da hat keiner mich direkt bedroht
Gute Bücher hab ich nur gelesen
und hier sagt man zu mir „ach du Idiot“
Draussen trug ich Streifen im Pyjama
den ich mir für teures Geld besorgt
Hier der Anzug wird für mich zum Drama, Drama
und ich sehe aus wie ausgeborgt – naja!

Ob ich ans Spind geh oder Betten baue
es ist nie richtig und ich falle auf
von meinem Unglück zeugt das Aug das Blaue
schreibt man zur Meldung auf – ich steh mit drauf
die Mütze hab ich zehnmal schon verloren
der Stubendienst meint aber, das sei „Dreh“
das Handwerkszeug ist gegen mich verschworen
wo ich es anpack, stets tu ich mir weh
Ominös, schanderös, mystriös, intravenös

Draussen hab ich Nägel eingeschlagen
doch hier drinnen treff ich nur die Hand
draussen durft ich manchmal etwas sagen
hier red ich zur Menschen wie zur Wand
Hier ist Wahrheit, draussen war die Dichtung
Lagerordnung lern ich ohne Lust
Hab nie „Vordermann“ noch „Seitenrichtung“
auch vom „Nachschlag“ hab ich nichts gewusst – na ja

Ich sage „Kamerad“ und manchmal „bitte“
und doch ist man mir böse ohne Grund
Mir scheint, dass Höflichkeit bei uns nicht Sitte
denn jeder Kamerad nennt mich „blöder Hund“
Ich geb mir Mühe, mich hier unzustellen
sonst werde ich nicht meines Lebens froh
doch bei den harten hiesigen Gesellen
komm ich nicht mit, ich bin nun halt mal so
Seriös, Genrös, kapriziös, voluminös

Ich gewöhne mich nicht an das Flitzen
und an Schlaf zu dritt in einem Bett
Und an zwanzig Mann im Lokus sitzen, sitzen
nein – ich lerne niemals ganz KZ – naja

Text: Karl Schnog – Musik: Bruno Apitz

„Dieses Couplet entstammt einer Zirkusszene aus einem kabarettitischen Programm, das im Lager aufgeführt wurde. Von Bruno Apitz vorgetragen, hat es – trotz der Satire – eine wesentliche, mobilisierende Rolle bei den Häftlingen gespielt. Es wurde auch als Solonummer in die bunten nationalen und internationalen Konzertprogramme aufgenommen“ – mit Anmerkungen in Lieder aus den faschistischen Konzentrationslagern (1962)







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