Wann in des Abends letztem Scheine (Lied aus der Ferne)

Liebeslieder | 2012
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Wann in des Abends letztem Scheine
Dir eine lächelnde Gestalt
Am Rasensitz im Eichenhaine
Mit Wink und Gruß vorüberwallt:
Das ist des Freundes teurer Geist,
Der Freud und Frieden dir verheißt

Wann bei des Mondes Dämmerlichte
Sich deiner Liebe Traum verschönt,
Durch Cytisus und Weymutsfichte
Melodisches Gesäusel tönt,
Und Ahnung dir den Busen hebt:
Das ist mein Geist, der dich umschwebt.


Fühlst du, beim seligen Verlieren
in des vergangnen Zauberland,
Ein lindes, geistiges Berühren,
Wie Zephyrs Kuß um Wang und Hand,
Und wankt der Kerze flatternd Licht;
Das ist mein Geist, o zweifle nicht!


Hörst du, beim Silberglanz der Sterne,
Leis‘ im verschwiegnen Kämmerlein,
Gleich Aeolsharfen aus der Ferne,
Das Bundeswort: Auf ewig dein!
Dann schlummre sanft; es ist mein Geist,
Der Freud und Frieden dir verheißt.

Text: Friedrich von Matthisson – 1794 (1761-1831) „auch „Wenn in des Abends letztem Scheine“
Musik:  Ludwig Abeille (1761-1838) , „Lied aus der Ferne“, 1805  , auch vetont von  Moritz Graf von Dietrichstein (1775-1864) , 1818 , auch von Mauro Giuseppe Sergio Pantaleo Giuliani (1781-1829) ,1817 , von Hans Georg Nägeli (1773-1836) 1799 , von Wenzeslaus Rafael Gottfried, Graf von Purgstall (1798-1817) , 1821,  von  Ferdinand Ries (1784-1838) , 1811 , von Corona Elisabeth Wilhelmine Schröter (1751-1802) , 1794 , von Franz Peter Schubert (1797-1828) , 1814 , von Karl Friedrich Zelter (1758-1832)
in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)


Kurt Tucholsky schrieb 1932 eine Parodie auf dieses Alte Lied: (Titel: Altes Lied 1794)


Wenn in des Abends letztem Scheine
dir eine lächelnde Gestalt
am Rasensitz im Eichenhaine
mit Wink und Gruß vorüberwallt –:
Das ist des Freundes treuer Geist
der Freud und Frieden dir verheißt


Wenn bei des Vollmonds Dämmerlichte
das zagend durch die Zweige sieht
durch dunkeln Hain von Tann‘ und Fichte
ein fauliges Gerüchlein zieht –
Das ist, was da so grauslich riecht
Herr Goebbels, der vorüberfliecht


Wenn bei dem Silberglanz der Sterne
wenn schwarze Nacht herniederweint
gleich Aeolsharfen aus der Ferne
wenn dir dann gar kein Geist erscheint –
Dies Phänomen, damit dus weißt
das ist Herrn Adolf Hitlers Geist.


Theobald Tiger , Die Weltbühne , 03.05.1932, Nr. 18, S. 680







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