Vor allen Dirnen so flink und so glatt (Der Schuhknecht)

Gedichte | | 2012
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Vor allen Dirnen so flink und so glatt
Lacht mir die lachende Lore.
Vor allen prunkenden Plätzen der Stadt
Prunkt mir der Winkel am Thore.
Des Hofes Dame, wie schmuck sie sich macht,
Mit nichten gleicht sie der Lore.
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore

Ihr Vater hockt in dem Stübchen und flicht
Aus Eggen warme Pantoffeln.
Die Mutter, gibt es Kastanien nicht,
Verkauft am Markte Kartoffeln.
So brav erzogen, so eben und sacht,
Ward nie ein Mädchen als Lore.
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Kömmt sie getrippelt das Gäßchen herab,
Dann wird mirs blind vor den Augen;
Doch schallt im Haus ihr behendes klipp klapp,
Nicht Stich noch Naht will mir taugen.
Der Meister schmunzelt – doch hab er Verdacht,
Ich sei erpicht auf die Lore!
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Vor allen Tagen der Woche behagt
Der Tag behaglicher Ruhe.
Da wird ein Sprung in das freie gewagt,
Da rasten Stiefel und Schuhe.
Mit Bursch und Mädchen in stattlicher Pracht
Gehts flink zu Dorf mit der Lore.
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Auch schleppt der ehrbare Meister mich wohl
Am Festtag mit in die Predigt,
Und fegt mich wacker beim dampfenden Kohl,
Hab ich des Zwangs mich entledigt.
Doch halt er immer die geistliche Wacht,
Ich Weltkind schleiche zur Lore!
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Tritt Weihnacht wieder einmal ins Land,
Dann strozt von Geld mir die Ficke,
Das mir zum Rocke die Mutter gesandt,
Und Ihr ins Händchen ichs drücke.
Ja höb ich Schätze vom Satan bewacht,
Die Schätze flögen zur Lore!
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Mein Stündlein kömmt daß ich fort in die Welt
Nach Handwerksordnungen wandre,
Und drauf als redlicher Mann für mein Geld
Herr Meister werde wie andre.
Dann wird getraut in der neuesten Tracht,
Dann wird Frau Meisterin Lore,
Dann gehts juchheissa bei Tag und bei Nacht,
Nicht mehr im Winkel am Thore!

Heinrich Christian Boie , 1798 in: Voßischer Musenalmanach .
nach diesem Lied entstand das sehr populäre Lied von der Lore am Tore.
Boies Lied ist aber kein Original, sondern nur Bearbeitung des in England sehr populären Gedichts “ of the girls that are so smart “ von Henry Carey 1715. In der Ausgabe seiner Poems gibt dieser Musiker und Dichter selbst einen genauen Bericht über die Entstehung des Gedichts. Somit ist zuletzt der angebliche Komponist von “ God save the King “ auch der Urheber des Liedes von der “ Lore am Tore

u.a. in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

1798







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